Was sagt Ihr eigentlich zur Absäbelung von Peter Sawicki und der aktuellen Gesundheitspolitik und dem Zusatzbeitrag?

  • Wer macht im Moment eigentlich Politik in Deutschland? Man sich diese Frage stellen. Denn Peter Sawicki, der seit 2004 das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG) führt, scheint ein Opfer der Pharma-Lobbyisten geworden zu sein.


    Seit 2004 hat Sawicki dem Druck der Pharma-Lobby widerstanden. Nun wurde er abgesäbelt. Eigentlich war schon klar, dass dies passieren wird, als der Koalitionsvertrag von Schwarz-Gelb vereinbart wurde. Die Koalition kündigte ja an, dass die Arbeit des IQWIG überprüft werden müsse. Damit war doch schon entschieden, dass Peter Sawicki weg soll.


    Am 31.08.2010 ist sein letzter Arbeitstag. Das beschloss der Stiftungsrat und Vorstand des IQWIG. Die nicht nachvollziehbare Kündigung wird jetzt so gerechtfertigt, dass die Entscheider es aussehen lassen, als wenn Sawicki wegen Verfehlungen bei Abrechnungen (Dienstwagen, Benzinrechnungen) seinen Posten als oberster Medikamenten-Prüfer verliert.


    Mit dieser Entscheidung betreibt auch ein Herr Rösler eine Richtungsentscheidung in der Gesundheitspolitik. Denn das IQWIG hatte bisher die Aufgabe, zu prüfen, ob Medikamente und Therapien auch tatsächlich so wirken, wie die Pharmahersteller es versprechen. Das heißt, für die Pharmaindustie geht es mindestens um Millionen - vielleicht sogar Milliarden.
    Denn die IQWIG-Expertise ist die Grundlage dafür, ob die Krankenkassen für das Medikament bezahlen müssen oder ob es aus dem Leistungskatalog gestrichen werden kann.


    Peter Sawicki vertrat die Meinung, dass die Wirksamkeit von Arzneimitteln durch wissenschaftliche Studien eindeutig nachgewiesen sein muss. Er war unbequem und brachte teilweise Patienten aber vor allem die Pharmaindustrie in Aufruhr. Er bezweifelte z. B. die Wirksamkeit des Diabetes-Medikamentes Lantus und zwang den Pharmakonzern Pfizer unter Veschluss gehaltene, unbequeme Medikamentenstudien heraus zu geben.


    Er handelte aufgrund seiner Untersuchungen und Prüfungen - aus Überzeugung. Und Menschen, die aufrecht aus Überzeugung handeln, egal, was es für sie bedeutet, fehlen in unseren öffentlichen Ämtern zusehends.


    Weitere Infos zu Sawicki: Handelsblatt und TAZ.de.


    Meine Skepsis, dass das Ruder nun wieder einem echten Kritiker übergeben wird, ist groß, denn die Grundsatzabteilung des Bundesgesundheitsministeriums (das mit Rösler von der FDP geführt wird) wird ja auch von einem Lobbyisten der privatren Krankenkassen geleitet. Pikant: Wegen Befangenheit hat der Chefberater kein Abstimmungsrecht. :hammer:


    Christian Weber, war bisher Vize-Direktor des Verbandes der Privaten Krankenversicherung. Selbst in der CDU soll hier deutliches Befremden entstanden sein.
    Heißt das für uns Bürger, dass wegen Kompetenzmangels in den Parteien immer mehr Lobbyisten in Ministerien aufsteigen?
    Im Gesundheitsministerium gab es schon immer Lobbyisten. Das Brisante an Weber ist aber, dass mit ihm jemand an einer Schlüsselposition sitzt, der bisher eine Minderheit von 10 % vertreten hat. Wer will denn da von Klientelpolitik sprechen? :monster:


    Wird die schwarz-gelbe Koalition uns jetzt imEiltempo wieder in die Bimbesrepublik zurück katapultieren?
    Ich bin gespannt auf Eure Meinung!
    LG Heike

  • Hallo Heike,

    Quote

    Wer macht im Moment eigentlich Politik in Deutschland?

    Wieso im Moment?
    Den Politmarionetten fehlt doch spätestens seit der Ära Kohl die Kompetenz und auch die charakterliche Eignung, wirkliche Politik zum Nutzen eines Volkes zu machen.

    Quote

    Heißt das für uns Bürger, dass wegen Kompetenzmangels in den Parteien immer mehr Lobbyisten in Ministerien aufsteigen?

    Aber sicher doch. Sind doch kaum Alternativen da. Wenn wirklich mal einer mit Rückgrat ein Amt bekleidet, wird er weggemobbt. Der einzige Unterschied in der Behandlung solch lästiger Zeitgenossen zu einer Bananenrepublik oder anderen Diktaturen besteht darin, daß man die Leute heutzutage nicht mehr liquidiert.

    Quote

    Wird die schwarz-gelbe Koalition uns jetzt im Eiltempo wieder in die Bimbesrepublik zurück katapultieren?

    Da mußte ich jetzt erst mal googeln. Die beste Erklärung fand ich hier: http://www.stupidedia.org/stupi/Bimbes


    Zurückkatapultieren? Da sind wir doch schon immer gewesen, nur hat sich nicht jeder so blöd angestellt wie die Mövenpick-Partei heutzutage.
    Von Politikern sollte man wenigstens erwarten können, daß sie ihre schmutzigen Deals halbwegs unter den Teppich kehren können. Altvater Franz Josef Strauß, einer der letzten echten Könner seines Faches, wird wahrscheinlich angesichts der heutigen Stümper in seinem Mausoleum rotieren.


    Gruß
    Rudolf

  • Hallo Rudolf,
    auf Dich ist Verlass! Wenn es politisch wird, befinden wir uns (zumindest anfangs) ja oft im Zwiegespräch. ;-)
    Dabei sind das aus meiner Sicht wichtige Themen, mit denen wir uns beschäftigen müssen. Schließlich sollten wir wenigstens wissen, wie die Zusammenhänge sind, wenn uns das Geld aus den Taschen gezogen wird und gleichzeitig die Leistungen gekürzt werden.


    Mit dem Abschieben von Sawicki wird (meiner Meinung nach) der Pharmaindustrie der Weg bereitet, weiterhin einer der größten Kostenfaktoren im Gesundheitswesen zu bleiben. Außerdem erhalten sie wahrscheinlich die Möglichkeit, schlecht geprüfte Medikamente, die kaum anders wirken, als bereits vorhandene, für sehr viel Geld auf den Markt zu werfen. Wir werden es bezahlen: mit unseren Beiträgen und bei ganz großem Pech auch mit unserer Gesundheit.


    Außerdem sind Sawicki und der neue Chefberater des Bundesgesundheitsministeriums für mich die Sinnbilder der Lügen, mit denen wir von der Politik zugemüllt werden. Ich glaube, dass wir auf eine sehr harte Zeit zusteuern - zumindest für diejenigen, die nicht viel haben, aber scheinbar immer noch genug, dass man ihnen davon noch etwas wegnehmen kann (s. 8 € Zusatzbeitrag, die nur die Versicherten zahlen müssen - die Arbeitgeber sind aus dem Solidarsystem doch schon lange entlassen!)... :dash:
    LG Heike

  • Hallo Heike,


    was bringt es ?
    Wir können uns zwar ärgern, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und unserem Unmut zum Beispiel hier Luft machen.
    Ändern tut DAS aber nichts.
    Alternativen ? Darüber hab ich mich auch in einem anderen Thread schon mal geäußert, es wundert mich nicht, dass die Gewalt wieder auf dem Vormarsch ist.


    Tatsache ist nun einmal, dass "das Volk" mehrheitlich die Tigerente wollte. Mittlerweile ist ja auch klar, wer der Tiger und wer die Ente ist. ---)
    Vor der Bundestagswahl habe ich hier im Forum gefragt, ob ihr wählen geht, und wenn ja, mit welchen Gefühlen.
    Im Ohr sind mir als Gründe dafür noch Bürgerpflicht und Schlimmeres verhüten wollen.
    Wer will heute noch beurteilen, ob es noch schlimmer hätte kommen können ?
    Es ist auch müßig, darüber nachzudenken, die Parteien der jetzigen Opposition haben es ja nicht geschafft, ihre Stammwähler zu mobilisieren bzw Neuwähler zu gewinnen. Man könnte jetzt auch sagen, sie haben nicht so überzeugend gelogen wie die anderen.. :mrgreen:
    Tja, fatal. Aber sicher nur für diese Volksvertreter, denn ich bin nicht mehr so naiv zu glauben, dass sie es besser gemacht hätten.
    Höchstens anders schlimm. Und dann würden wir hier jetzt vermutlich über sie reden.


    KANN man denn an dieser vertrackten Situation überhaupt noch etwas ändern ?
    Als normaler Bürger, als Wähler? Es sollte so sein, denn das ist der tiefere Gedanke hinter dem Begriff Demokratie, aber die Realität sieht doch anders aus.
    Sobald die Volksvertreter nämlich gewählt im Sattel sitzen, haben sie offenbar alles vergessen, was ihnen vorher noch wichtig war.
    Wobei wir wieder beim Thema wären, Heike.


    Quote from Heike

    Er handelte aufgrund seiner Untersuchungen und Prüfungen - aus Überzeugung. Und Menschen, die aufrecht aus Überzeugung handeln, egal, was es für sie bedeutet, fehlen in unseren öffentlichen Ämtern zusehends.


    Ich unterstelle trotz allem mal - so sehr glaube ich doch noch an das Gute im Menschen - , dass sie alle, die heute ihr Pöstchen bekleiden, einst voller Enthusiasmus und mit dem echten und aufrichtigen Wunsch, für Deutschland und für uns alle etwas zum Positiven verändern zu wollen, in der Politik gelandet sind. Egal, bei welcher Farbe.
    Aber irgendwo auf dem Weg nach oben kommt ihnen allen der Idealismus abhanden.
    WARUM ?
    Es gilt, den Fehler zu finden. Und meiner Ansicht nach gibt's da nur 2 Möglichkeiten:


    a: er liegt im System. Dann müssen wir etwas im System ändern.
    b: er liegt in den Menschen. Dann müssen wir, weil wir die nun mal nicht ändern können, ihnen die Möglichkeit nehmen, sich an anderen schadlos halten zu können. Aber auch das heißt, dass das System verändert werden muß.


    Die Burschen kochen 4 Jahre ihr eigenes Süppchen, und kurz vor der nächsten Wahl fangen sie wieder an, uns Honig um's Maul zu schmieren.
    Und wir glauben's wieder. Weil wir ja wählen dürfen. :rolleyes: :rofl:
    Ich ziehe mittlerweile ernsthaft in Zweifel, dass wir in diesem Land tatsächlich schon reif sind für Demokratie. Zumindest in ihrer jetzigen Form.


    Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang. Friedrich v. Schiller


    Viele Grüße,
    suse

  • Hallo Suse,
    jain... :mrgreen:
    Das Gute an unserer Demokratie ist, dass wir sehr offen über unseren Unmut diskutieren können, ohne, dass schon morgen der Bundesnachrichtendienst (oder so) vor der Tür steht und den PC beschlagnahmt.
    Uns stehen - nicht zuletzt auch durchs Internet - durchaus Möglichkeiten zur Verfügung, etwas zu tun. Ich denke z. B. an die Online-Petitonen. Ich schaue da relativ regelmäßig, ob ich was unterschreiben "muss". Wenn wir den Petitonsausschuss zumüllen mit dem, was uns nicht passt...
    Es müssen natürlich immer wieder genug Unterstützer für eine Petition gefunden werden. Und das ist das eigentliche Problem: Vielen ist es noch zu anstrengend, sich zu registrieren und so eine Petition zu zeichnen.


    Bürgerbegehren ist auch so ne Sache, die zu wenig genutzt wird. Klar, hier braucht man echt Zeit, um das zu organisieren, aber es ist ein Mittel der Demokratie und zumindest im Kleinen bewegt ein Bürgerbegehren so manches (zumindet hier in Aachen).


    Aber ich sehe durchaus, dass diese Sachen im "Großen" nichts direkt verändern. Andererseits bringen kleine Schritte ja auch nach vorn.
    Auch wenn wir denken, dass wir nichts verändern können, ist es wichtig, dass wir kritisch bleiben und beobachten und wissen, was so im Hintergrund der Politik läuft. Was unsere Politiker motiviert, bestimmte Dinge zu entscheiden - oder nicht zu entscheiden. Denn sonst kann es gefährlich werden, wenn wir wie die Lemminge allein darauf vertrauen, dass unser "Chef-Lemming" das Mass der Sicherheit ist.


    Wenn es z. B. um die Zusatzbeiträge bei der Krankenkasse geht, dann würde ich erwarten, dass die Deutschen scharenweise aus den Kassen austreten, die diese jetzt (natürlich direkt bis zum Maximalbetrag) erheben und in die Kassen wechseln, die das nicht tun. Es gibt genug Kassen, die für 2010 zusagen können, dass sie keinen Zusatzbeitrag nehmen werden. Da zieht für mich auch nicht das Argument "die werden aber auch irgendwann..." - sondern es muss Bewegung in uns kommen. Wenn Kassen jetzt hunderte oder tausende von versicherten verlieren, nur weil sie einen Zusatzbeitrag erheben, werden die anderen Kassen, zu denen diese Versicherten wechseln, es sich zweimal überlegen, ob sie in 2011 diesen Weg gehen.


    Es ist klein-klein... Aber ausgeliefert sind wir nicht - wir fühlen das nur so.


    Vielleicht wäre es bei einer anderen Regierung nicht anders, aber ehrlich gesagt, mir wäre es lieber, wenn eine andere Regierung es wenigstens geschickter anstellen würde. Das, was momentan passiert heißt für mich übersetzt eigentlich nur: "Wir scheißen auf die Bürger, die wir vertreten. Wir sind dran und machen, was unsere Geldgeber und Spender wollen." Dabei sind wir es doch, die letztlich das meiste Geld in diesen Saat bringen. Und ohne uns gäbe es auch keinen Staat, den es zu regieren gilt.
    LG Heike


    PS.: Es gibt aktuell z. B. eine Petition, die verlangt, dass Parteispenden verboten werden. Guckt Ihr HIER!

  • Hallo Heike,


    danke für die Blumen :rolleyes:. Ich würde das Zwiegespräch normalerweise auch gerne weiter fortsetzen, aber das Thema Politik ist mir dermaßen zuwider, daß ich mich schon aus reinem Selbsterhaltungstrieb nicht damit befassen möchte. Doch leider beeinflußt die Politik in einem so ungesunden Maße unser Leben, daß ich mich zwangsweise hin und wieder mit ihr auseinandersetzen muß und meine hochkochende Magensäure mit Medikamenten beruhige.


    Zum Thema Demokratie hier einer der gescheitesten Standpunkte, die ich in den letzten Jahren gelesen habe:


    "Die Begründung für die Alternativlosigkeit der Demokratie kam nie über die Bemerkung hinaus, dass Demokratie die schlechteste unter allen Staatsformen sei - abgesehen von sämtlichen anderen. Trotz nachlassenden Interesses der Bürger an der Politik wagte niemand den Gedanken, dass die Demokratie sich überlebt habe, dass die Politikverdrossenheit kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein Zeichen dafür sei, dass der Wille aufhörte, vom Volke auszugehen."
    Juli Zeh, "Alles auf dem Rasen: kein Roman", Schöffling, Frankfurt am Main 2006, ISBN 9783895610592, Seite 167, Zeilen 18-26


    Ich schließe mich Suses Meinung an, die Problematik liegt im System und bei den Menschen. Ganz besonders beim deutschen Menschen, der den Schuldkomplex aus zwei Weltkriegen offenbar mit dem Erbgut in sich aufgenommen hat. Der Deutsche taugt als Untertan und/oder als Mitläufer, Demokratie an sich ist seinem Wesen meiner Meinung nach fremd.
    Wir brauchen in diesem Land eine gemäßigte Diktatur des gesunden Menschenverstandes; allerdings sehe ich nicht, wo der derzeit herkommen sollte.


    Hier noch was aktuelles aus Wirtschaft/Politik:


    Der deutsche Staatsrechtler Professor Hans Herbert von Arnim hat den Wechsel des früheren Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU) zum Autozulieferer Magna kritisiert. Derart rasche Seitenwechsel schadeten dem Ansehen der Politik, sagte Arnim der «Thüringer Allgemeinen» (Samstagausgabe). Leider gebe es keine Vorschriften, die Politikern den Wechsel zu Firmen verböten, für die sie sich vorher politisch eingesetzt hätten.
    [Quelle: de.news.yahoo.com Erfurt (ddp-lth)]


    Dem ist nichts hinzuzufügen.


    Gruß
    Rudolf

  • Hallo Heike,


    Quote from Heike


    Wenn wir den Petitonsausschuss zumüllen mit dem, was uns nicht passt...


    Da hast du wohl intuitiv genau das richtige Wort gewählt.
    Ich habe es bislang immer nur so erlebt, dass an den von den Politikern nach Endlosdebatten aus unterschiedlichen Parteiversprechen zusammengeschusterten Kompromisslösungen zwar meistens eine Menge verbesserungsfähig wäre, aber praktisch daran nicht mehr groß zu rütteln ist.
    (Aber vielleicht bin ich auch einfach nicht gut genug informiert, kannst du mir mal ein Beispiel nennen, wo so eine Eingabe an den Petitionsausschuß wirklich etwas Wichtiges geändert hat ? )


    Ich glaube deshalb auch nicht, dass ein reihenweiser Krankenkassenwechsel verhindern würde, dass die Beitragserhöhungen wie geplant durchgezogen werden. Vielleicht würde sich alles etwas umschichten, die teureren Kassen wären - zum Ausgleich - dafür vielleicht eine Zeitlang kulanter in ihren Leistungen, sodass es sich "lohnt", dort versichert zu bleiben, aber unterm Strich ?!
    Eine Krähe hackt der anderen bekanntlich kein Auge aus.


    Also, was immer dem Bürger da sauer hochkommt und tatsächlich seinen Weg vor den Petitionsausschuß gefunden hat, (im Falle das wirklich genug Unterschriften von Demokratiegläubigen zusammengekommen sind), hat um so größere Chancen auf Erfolg, je kleiner das dafür nötige Zugeständnis ist.
    Die "großen" Sachen werden abgeschmettert. Weil "nicht umsetzbar".
    Und landen - auf dem Müll.
    Was lehrt uns das ? Um es mit Ludwig Thoma zu sagen: Man muss die Leute an ihren Einfluss glauben lassen – Hauptsache ist, dass sie keinen haben


    Rudolf hat weiter oben geschrieben:


    Quote from Impact

    Von Politikern sollte man wenigstens erwarten können, daß sie ihre schmutzigen Deals halbwegs unter den Teppich kehren können. Altvater Franz Josef Strauß, einer der letzten echten Könner seines Faches, wird wahrscheinlich angesichts der heutigen Stümper in seinem Mausoleum rotieren.


    Ich hab' das unangenehme Gefühl, sie könnten schon, wenn sie wollten...
    (wenn auch nicht so gut wie Franz-Josef :mrgreen: )


    Quote from Heike

    Vielleicht wäre es bei einer anderen Regierung nicht anders, aber ehrlich gesagt, mir wäre es lieber, wenn eine andere Regierung es wenigstens geschickter anstellen würde.


    Wirklich, Heike ? Siehst du das so ? Egal, wie man uns vera..lbert, Hauptsache, man läßt es uns nicht merken ?
    Nee, da bin ich den Burschen doch sogar ganz dankbar!


    Quote from Heike

    ..was momentan passiert heißt für mich übersetzt eigentlich nur: "Wir scheißen auf die Bürger, die wir vertreten. Wir sind dran und machen, was unsere Geldgeber und Spender wollen."


    Ein Outing, sozusagen....
    Nur leider befürchte ich, dass selbst das der abgestumpften deutschen Volksseele immer noch zu wenig Reibung bietet. Wobei ich mich selber gar nicht ausnehme. Denn mittlerweile vermeide ich es auch weitgehend, über Politik zu reden, nur, damit ich nicht in's Nachdenken komme... :crazy:
    Ich weiß echt nicht mehr, ob diejenigen, die ihre diesbezüglichen Illusionen aufrecht erhalten können, zu bedauern oder doch eher zu beneiden sind.


    Viele Grüße !
    suse

  • Hallo Suse,

    kannst du mir mal ein Beispiel nennen, wo so eine Eingabe an den Petitionsausschuß wirklich etwas Wichtiges geändert hat ?

    spontan fällt mir da die Ausbildung unserer Ärzte ein. Der Bereich Palliativmedizin wurde - nicht zuletzt aufgrund dieser Petition - zur Pflichtausbildung. Halte ich für sehr wichtig.


    Natürlich kann man es sich einfach machen, und diejenigen, die glauben oder hoffen, etwas ändern oder beeinflussen zu können, oder zumindest nicht bereit sind, Dinge einfach so hinzunehmen, als Illusionisten bezeichnen. Allerdings darf man nicht vergessen, dass ohne solche Leute in unserer Gesellschaft, Politik, ja im Grunde in allen Bereichen des Lebens Stillstand herrschen würde.


    Bezüglich der Krankenkassen bin ich davon überzeugt, dass bei einem Massenwechsel wegen Zusatzbeitrag, die Kassen, die heute für 2010 garantieren, keinen Zusatzbeitrag zu erheben und dadurch mehr Mitglieder bekommen, in 2011 dreimal darüber nachdenken, ob sie einen Zusatzbeitrag erheben und ihre neuen Mitglieder (und damit ein Vielfaches der 8 €) wieder verlieren möchten.
    Schließlich wissen wir doch, dass der Zusatzbeitrag von vielen Kassen erhoben wird, weil er erhoben werden kann. Das wurde von Kritikern bereits genau so prophezeit, als das Gesetz erlassen wurde.
    Lassen die Versicherten einfach mit sich machen, warum sollten die Kassen dann anders handeln?


    Natürlich ist eine Vogel-Strauß-Haltung bequem. Und Bequemlichkeit hat ja auch was...
    Viele Grüße
    Heike


    PS.: Eine Übersicht der Kassen, die garantieren, keinen Zusatzbeitrag in 2010 zu erheben, findet Ihr übrigens HIER. - Ich habe Glück, meine Kasse ist in dieser Liste vertreten. :D

  • Hallo Heike,


    danke für den schönen Link, auch Weiterlesen in dem Thread lohnt sich durchaus.


    Interessant, dieser Herr Heitmeyer beschreibt genau das, was ich selber wahrnehme, wenn ich mich umschaue. Und den dafür gewählten Begriff "wutgetränkte Apathie" finde ich ganz treffend.


    Ja, vielleicht hast du Recht, und ich befinde mich ebenfalls in einem Zustand, den man mit diesen Worten umschreiben könnte. DEN Schuh ziehe ich mir an.


    Allerdings nur im Rahmen meines "normalen" Verständnisses dieser Wortverbindung.
    Herr Heitmeyer macht daraus aber so eine Art "Fachterminus". Und in dieser seiner Definition, respektive mit Bezug auf die weitaus meisten Aussagen über die von ihm beschriebene Personengruppe, erkenne ich mich keinesfalls wieder.
    Im Sinne dieses Artikels muß und möchte ich mich also davon distanzieren.


    Ich denke, das ist wie in der Medizin: häufig verursachen ganz unterschiedliche Krankheiten die gleichen Beschwerden.
    Mir fällt da wieder der Symptomat ein, der bei Blähungen, Husten und Juckreiz eine potentielle HIV - Infektion wittert.


    Schade, dass niemand anderer hier eine Meinung zum Thema hat.
    Womit wir ja eigentlich beim Thema sind.... ;-)


    LG!
    suse

  • Hallo, Heike,


    die aktuelle Politik erbost mich bis zum Umfallen, nicht nur im Pharmabereich. Wundern tut sie mich allerdings nicht, ich meine, es war vorher abzusehen. Ärgern tun mich nur die Leute, die jetzt angeblich aus allen Wolken fallen, weil sich das vorher doch anders angehört haben soll.
    Wann hat schon mal vorher- nachher überein gestimmt?


    Resignierte Grüße, Beate

  • Quote from tagesschau.de

    Auf die Versicherten der BKK Westfalen-Lippe kommen ab dem 1.Februar Zusatzbeiträge zu. Doch anders als bei anderen gesetzlichen Kassen beläuft sich die Mehrbelastung nicht pauschal auf acht Euro, sondern - je nach Einkommen - auf bis zu zwölf Euro....
    ...Bis zu zwölf Euro mehr - besteht da nicht die Gefahr, dass viele der 23.000 Mitglider der BKK Westfalen-Lippe zu anderen, günstigeren, Kassen wechseln? Vorstandschef Tomberge glaubt das nicht. "Wir spielen mit offenen Karten."


    Quelle zum Weiterlesen ist : http://www.tagesschau.de/inland/bkkzusatzbeitrag100.html


    Angriff ist die beste Verteidigung, scheint es. Ich bin gespannt, ob man ob man demnächst von der BKK WL was über ihre Mitgliederzahlen erfahren kann.


    LG,
    suse

  • Experten erwarten aufgrund der geplanten Zusatzbeiträge bei den gesetzlichen Krankenkassen offenbar eine “Wechsel-Welle” bei den Versicherten. Wie die “Bild”-Zeitung berichtet, sind bei der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) bereits 5300 Mitglieder ausgetreten, bei der Betriebskrankenkasse Deutsche BKK sind es dem Bericht zufolge rund 1000 Versicherte. “Die Wechsel-Wut wird sich noch deutlich steigern durch die Preisunterschiede”, sagte Gesundheitsökonom Jürgen Wasem. Allerdings habe die “Wechselei” kaum Vorteile, so Wasem: “Es werden fast alle gesetzlichen Kassen Zusatzbeiträge erheben. Dies ist politisch schon von der alten Bundesregierung so gewünscht und einkalkuliert worden.”
    Quelle: http://www.kvportal.de/wechsel…ssen-durch-zusatzbeitrage

  • Ich denke das sich auch viele die seit Jahren in eine rgesetzlichen krankenversicherung sind, so langsam gedanken machen werden, ob für Sie nicht doch ein Wechsel in die private Krankenversicherung möglich ist.


    Hier gibt es auch geplante Änderungen für das kommende Jahr, worüber sich einige freuen werden:


    [infobox]ModEdit suse: Hallo Janina, ich habe Zitat und Quellenlink entfernt. Bitte keine Verlinkungen bei fehlender Vorstellung![/infobox]

  • Na, Janina,
    das ist aber sehr unreflektierte Werbung, die Du da gepostet hast. In dem Zusammenhang ist der folgende Beitrag aus Kontraste (ARD) recht passend und erhellend:

    Quote


    Mythos Privatversicherung – verzweifelte Patienten kämpfen um ihr Recht
    Privatpatienten haben es besser, verheißt die Werbung! Sie werden bevorzugt behandelt und bekommen mehr Leistungen. Von wegen! Die privaten Versicherer locken vielmehr junge und gesunde Menschen mit Kampftarifen an, und im Alter droht die Armutsfalle. KONTRASTE berichtet über die Machenschaften der Branche.

    Zum Beitrag in Text und Video: Bitte hier klicken!


    Viele Grüße
    Heike