carekonzept pflegeberatung

92jähriger tötet pflegebedürftige Ehefrau - Urteil

  • Wenn das Umfeld versagt, kann es zu solchen Verzweiflungstaten kommen. Eine von den Kassen finanzierte Pflegebegleitung durch qualifizierte Fachkräfte könnte sicher helfen, solche Verzweiflungstaten zu vermeiden.

    Wenigstens der Richter hat es verstanden und ein weises, menschenfreundliches Urteil gesprochen.


    Nach Tötung dementer Frau: 92-Jähriger bekommt Bewährungsstrafe - n-tv.de

  • Danke Heike,


    ich hatte mich nicht getraut, diese traurige Geschichte zu Posten .


    Es ist so bitter, dass solche Verzweiflungstaten öfters vorkommen und Menschen mit so schweren Lebenssituationen wirklich alleine da stehen.


    Einmal haben wir am Rande mit bekommen,

    dass ein Senior erst den Hund, dann die Frau, danach sich erschossen hat.


    Es gab sogar Kinder aus dieser Ehe.


    Traurige Grüssle


    Brigitte

    geb20.gifNimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr


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    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung Sternenkind seit 9.5.2020

  • Hallo Brigitte, hallo Heike,

    ja, ich hatte auch davon gehört. Das ist schon traurig genug.

    Aber wenn man den Bericht komplett list, kann man den Rentner verstehen.

    Nur, was soll die bewährungsstrafe mit 92 Jahren ?

  • Hallo@Matrose,


    es ist das Mindeste, was der Richter überhaupt verhängen konnte.


    So sehr der Mann selber gelitten hat und restlos überfordert war, er hat gegen das Gesetz verstossen.


    Noch weniger, wäre sicher nicht möglich gewesen, da wäre der Staatsanwalt sicher dagegen angegangen.


    Die Bewährungsstrafe tut ja Niemandem weh, und die Tat wird der Mann sicher nicht wiederholen.


    Liebe Grüssle


    Brigitte

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  • Die Geschichte geht einem wirklich sehr nahe. Es ist wirklich sehr traurig. Ich hoffe, dass der Gesetzgeber und die Pflege- und Krankenkassen wissen, was sie zu tun haben. Aber ich fürchte, da wird sich nicht viel ändern, weil es Einzelschicksale sind und die interessiert niemanden.

    Armes Deutschland.


    Traurige Grüße

    Gertrud

  • Einfach nur traurig.


    Die Bewaehrungsstrafe kann man verstehen, Freispruch waere rechtlich unmoeglich gewesen. Von daher hat der Staatsanwalt und auch der Richter weise und sehr verstaendnisvoll gehandelt.


    Ich denke, solche Faelle mag es oefter geben, als es oeffentlich wird. Vermutlich auch manchmal unerkannt.

    Und viele Pflegende werden sich ein bisschen in der Situation erkennen und mitfuehlen koennen.

    Wie muss der Mann gelitten haben!


    Man wuenscht sich und jedem, dass es sowas nicht mehr geben duerfe; letztlich wird sich aber wohl nicht viel tun.


    Auch traurige Gruesse

    Petra

  • Mir geht der Fall auch sehr nah.

    Wir sind die erste Generation die sich darauf einstellen muss vermutlich im Alter irgendwann auch auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Das ist der Preis für den Fortschritt der Medizin der uns zugute kommt.

    Ich beobachte auch, dass es unter den Ü80-Jährigen viele Menschen gibt die Pflege von außen auf keinen Fall wollen. Was dann?

    Auch das Thema Patientenverfügung und deren zentrale Wichtigkeit zeigt dieser traurige Fall auf.

    Ich kann und möchte jedem von uns nur ans Herz legen, sich in jungen/gesunden Jahren darüber intensiv Gedanken zu machen und diese zu verschriftlichen.


    LG

    Cara

  • Eben weil die Pflege eines so schwer kranken Menschen so zehrend ist, gibt es die Möglichkeit, professionelle Pfleger ins Haus kommen zu lassen, die einem 3 mal am Tag einen guten Teil der Arbeit abnehmen und auch ein bischen menschlichen Kontakt von außen bedeuten. Und wenn es zuhause gar nicht mehr geht, gibt es das Pflegeheim - aus gutem Grund. Nichts davon anzunehmen, ist meiner Ansicht nach unverantwortlich und kann nicht im Sinne des Kranken sein. Helfen ist gut, aber man muß als Helfender auch wissen, wo die eigenen Grenzen sind.

  • Hallo Regina ,

    das Problem war, dass die Frau ins Pflegeheim sollte und für ihn dort kein Platz war.

    Das Ehepaar sollte nach Jahrzehnten Ehe, in der die beiden nie getrennt waren, getrennt werden. Die Trennung war für ihn undenkbar und deshalb wusste er keinen Ausweg.


    Und ganz unabhängig von diesem Fall: auch wenn der Pflegedienst 5 x täglich kommt, kann ein pflegender Angehöriger mit der Pflege und allem, was dazu gehört überfordert sein.

    Ich habe in meinem Kundenkreis noch einige Ehepaare, die länger als 60 Jahre verheiratet sind und sich ebenfalls eine Trennung - selbst auf Zeit, bis der zweite Platz frei wird - nicht vorstellen können....

    Gerade in der häuslichen Pflege gibt es kein schwarz und weiß. Es gibt sehr viele Farbnuancen...


    Beste Grüße

    Heike

  • Guten Morgen,


    auch wenn es schwer fällt, dies zu glauben, aber es gibt immer noch sehr viele Menschen, besonders Ältere, die echt nicht wissen, was ihnen an Hilfe gegeben werden könnte, wo sie, was, beantragen können. Bei Vielen steht eine übergrosse Angst im Raum, einem Heim ausgeliefert sein zu müssen und Angehörigen auf der Tasche zu liegen .


    Nicht jeder Haushalt hat eine Tageszeitung oder TV, es gibt immer noch viele Rentner, die zur kleinen Rente, keine Ergänzung beantragen und somit mit absolutem Minimum leben.


    Man könnte sagen, selbst dran Schuld, aber so ist es nun mal. Unser so hochgelobtes, soziales Netz greift nicht überall und unser Informationsfluss erreicht nicht Jeden .


    Auch die Informationspflicht von Behörden und Kassen findet nicht hilfreich statt, teilweise wird da heftigst gemauert.


    Insofern treiben Angst, Unwissenheit, Hilflosigkeit, Krankheit und Verzweiflung Menschen dazu, ihr Leben nicht mehr ertragen zu können.


    Traurige Grüssle


    Brigitte

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  • Guten Morgen,


    auch wenn es schwer fällt, dies zu glauben, aber es gibt immer noch sehr viele Menschen, besonders Ältere, die echt nicht wissen, was ihnen an Hilfe gegeben werden könnte, wo sie, was, beantragen können. Bei Vielen steht eine übergrosse Angst im Raum, einem Heim ausgeliefert sein zu müssen und Angehörigen auf der Tasche zu liegen.

    Das ist der springende Punkt, Brigitte!


    Wenn ich mich in meinem Bekanntenkreis umhöre, weiß niemand über irgendetwas Bescheid, was es an Rechten und finanziellen Hilfen für chronisch Kranke gibt.

    Meine Eltern haben seit 7 Jahren aufgrund schwerer Krankheiten rund 60-80 Arztbesuche pro Jahr (zusammen) plus stationäre Aufenthalte und wussten nicht was Pflegegeld ist, geschweige denn ob sie es betragen sollten, was barrierefreies Wohnen erleichtert, wo es welche Hilfen gibt. Sie meinten nur: Wir müssen das alleine wuppen oder werden ins Heim abgeschoben.

    Als ich hier in dieses wunderbare Forum stolperte😂 wusste ich auch gar nichts, außer der leisen Vorahnung dass ich auf dem Gebiet unbedingt und schnellstmöglich dazulernen sollte...Dank euch ist das geglückt!🙏🙏🙏


    Ich wünsche mir mehr unabhängige Aufklärungskampagnen, auch online, im TV und Radio, obligatorisch in Arztpraxen, Kliniken etc. damit jeder Bürger informiert ist.
    Ehepaare zu trennen finde ich auch ein absolutes No-Go, undenkbar, das traurigste was ich mir vorstellen kann, professionelle Pflege hin oder her.


    Cara

  • Vor einigen Monaten hat der NDR eine bewegende Reportage über Paare, Pflegeheime und Corona gezeigt, wer mag, hier ist der Link:



    Das ließ mich mit vielen Gedanken und Fragen zurück. Was würde ich tun, wie entscheiden?

    Eine Frage war auch, wieso die Kinder nicht vor Ort waren, wobei man hier nur spekulieren kann und nichts Näheres zu den genauen Umständen erfährt.


    LG

    Cara

  • Danke Cara,


    für das einstellen.


    Wir durchleben Alle bittere Zeiten durch Corona, wissen nicht wie lange noch und für Viele kommen noch weitere Dramen dazu.


    Was wird aus dem bisschen Zeit, dass uns noch bleibt?


    Traurige Grüssle


    Brigitte

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  • Ja, Brigitte, diese Zeiten verunsichern uns alle. Ich versuche mir immer zu sagen: Es ist zum Glück - noch - kein Krieg! Mit Hunger, Bombenhagel, Feinden in jeder Ecke...kürzlich las ich ein autobiografisches Buch aus dieser Zeit und wurde richtig demütig...

    Aber natürlich belastet es sehr, plötzlich von soviel Unsicherheit umgeben zu sein und soziales Leben herunterzufahren, Gewohnheiten über Monate auszusetzen.


    Es zeigt sich mir aber auch dass ich meine Werte, den „Sinn“ des Lebens und die Definition von Lebensqualität in den letzten Monaten nochmal unbewusst reflektiert und neu bewertet habe.


    Kommt alle gesund durch diesen Winter!

    Cara

  • Liebe Cara,


    ich hoffe und bete für uns Alle, dass wir diese Zeit gut überstehen.


    Vielleicht müssen wir sie in der Tat durchleben, um Demut zu üben.


    Werte ändern sich, in jede Richtung und ich wünsche sehr, dass wir Menschen bescheidener werden und uns wieder an den kleinen Dingen freuen können, und daran, dass wir uns haben.


    Liebe Grüssle


    Brigitte

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  • Danke Cara,


    wuensche ich dir und allen anderen auch!!


    Die Geschichte dieses Ehepaares habe ich gestern mit meiner Tochter diskutiert. Eigentlich gab es nicht mal was zu 'diskutieren', sie sieht das so wie ich und ist auch froh fuer den Ehemann, dass es ausser der "Bewaehrung" keine weiteren Konsequenzen gab. Also Haft etc.

    Denn Konsequenzen hat es ja, ich mag mir nicht mal vorstellen, wie er sich jetzt , ganz allein, fuehlt .

    Liebe Gruesse euch

    Petra

  • Hallo Cara , hallo zusammen,

    Ich wünsche mir mehr unabhängige Aufklärungskampagnen, auch online, im TV und Radio, obligatorisch in Arztpraxen, Kliniken etc. damit jeder Bürger informiert ist.

    Ich habe das Gefühl, dass diese unabhängige Aufklärung nicht gewünscht ist. Es gibt bspw. für mich als unabhängige Beraterin nur wenige Möglichkeiten, Kunden auf Kosten der Kasse zu beraten. Die Kassen weigern sich, unabhängige Berater zu akzeptieren und zu bezahlen. Obwohl das Gesetz eine Möglichkeit dazu geschaffen hat. Aber wenn die Kassen sich sperren, ist das nicht zu überwinden.


    Warum die Kassen das nicht wollen? Ich kann nur vermuten.
    Ich denke, dass bei der unabhängigen Beratung für die Kassen mehr Kosten entstehen, da die Berater über ALLE Möglichkeiten und wie man diese umsetzt beraten und nicht nur über einen kleinen Ausschnitt. Ich habe oft Kunden, die schon alle kostenlosen Beratungsangebote durch haben und erst bei mir das Gefühl haben, dass ihnen wirklich geholfen wird. Das ist sehr traurig.
    Ich würde auch gerne den Menschen helfen, die finanziell nicht so gut aufegstellt sind, sich (m)eine Beratung zu leisten. Natürlich helfe ich auch schon einmal pro bono. Aber ich lebe halt von der Beratung. Da ist die Zeit für pro bono sehr begrenzt.


    Das betrifft auch das Entlassungsmanagement im Krankenhaus. Die machen es einfach nicht!
    Ich habe jede Woche mehrere Anrufe weil Leute Hilfe brauchen, weil ihre Angehörigen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Ich weise dann auf den gesetzlichen Anspruch hin und sage ihnen, was sie dem Sozialdienst sagen sollen, damit der sich (endlich) kümmert. Das kann es doch nicht sein, oder?


    Viele Grüße

    Heike

  • Ja Heike, das sehe ich auch so. Es ist doch nicht so, dass der (Kosten-)Berg nicht da ist nur weil man die Augen davor schließt.🙈


    Wir wollen alle alt werden, lange „fit“ sein und haben jetzt so viele neue Behandlungsansätze und Medikamente wie nie zuvor zur Hand, aber auch diese haben Langzeitfolgen und kaum jemand fällt aus dem Nichts tot um! Eine alte Gesellschaft braucht das Geld auch für ebendiese Menschen!


    Für meine Generation um die 40 sehe ich jetzt schon dass ich mir immer etwas Budget für medizinische/beratende Selbstzahlungen zur Seite lege. Das mache ich auch jetzt schon und es ist nicht aus der Portokasse, sondern dafür muss ich ganz bewusst mit anderem knausern.

    Leider denken erst wenige so, dass das durchaus sinnvoll ist wenn einem seine Gesundheit am Herzen liegt.
    Dafür gibt es mich halt nur ohne „It-Bag“😂👜 denn das liebe Geld wächst ja leider nicht auf den Bäumen!


    Ich finde es ganz toll dass du so eine wichtige, wertvolle Arbeit machst! Wenn ich mal eine Pflegeberatungen brauche weiß ich schon an wen ich mich wende!


    LG

    Cara

  • Hallo Zusammen,


    das ist eine sehr traurige Geschichte. Ich möchte nicht wissen, wie oft hinter verschlossenen Türen Menschen an einer Pflegesituation verzweifeln oder es auch unerkannt zu Gewalt kommt.


    Heike: Ich habe den Eindruck, dass kostenlose Beratungsangebote oft nicht mehr als eine Pflichterfüllung sind. Stelle besetzt, Haken dran. Ob Entlassmanagement, Beratung der Kassen oder Pflegestützpunkt der Kommune - von keiner dieser Stellen habe ich mehr Info erhalten als nach einer Recherche im Internet. Und niemals was Neues oder Hilfreiches, meine Fragen wurden da nie beantwortet.


    Hier im Forum habe ich Antworten erhalten. Danke (das gilt jetzt allen, aber auch Heike).

    Ich habe auch den Eindruck, dass es nur wenige Menschen gibt, die sich wirklich gut auskennen: Rechtliche Lage, Kosten und Möglichkeiten über Kostenträger und den Bedarf und die Möglichkeiten von Hilfen andererseits.

    Selbst unser Pflegedienst (einer der großen kirchlichen mit Netzwerk dahinter) war bezüglich bestimmter Rahmenbedingen nicht immer up to date (Fristen beim Entlastungsbeitrag usw.) Ich habe die Hinweise aus dem Forum genutzt, noch mal bei der Kasse nachgefragt und die Info dann dem Pflegedienst überbracht.

    Grüße

    SR