mein Papa und meine Schuldgefühle

  • Hallo,


    ich bin Andreas, 54 J. und das einzige Kind. Mein Papa ist 86, seit 13 Jahren Witwer und lebt seit über 50 Jahren in seiner Mietwohnung, in der ich meine Kindheit verbrachte. Er kam bis vor einiger Zeit ganz gut zurecht. Eine Putzfrau machte alle wochen sauber inkl. Wäsche, 1-2 mal die Woche schaute ich nach ihm, ging manchmal auch einkaufen. Im Herbst kam es immer wieder zu Stürzen, meistens in der Wohnung. Manchmal kam er ans Handy und rief mich an. Manchmal lag er am nächsten Tag noch am Boden, wo ich ihn fand und aufhalf. im Dezember wurde es schlimmer, Atembeschwerden, dicke Beine. Papa sprach vom Sterben, schrieb Abschiedsbriefe. Da er nach dem Tod meiner Mutter immer wieder an Depressionen litt, ordnete ich diese Geschnisse dort unter. Zum Glück rief er dann selbst bei der 112 an, erzählte von einem früheren Sturz, und kam als Notfall in die Geriatrie. Herz-Insuffizienz, 10 kg Flüssigkeit holten sie aus ihm raus. Es wurde ein psychiatrisches Konsil gemacht, mit dem Ergebnis mittelschwere Demenz, nicht mehr geschäftsfähig. ich soll sein Betreuer werden, das Verfahren läuft noch.


    Das war ein harter Schlag für mich. Klar hatte Papa gerne von früher erzählt und ich hatte ihm gerne zugehört, auch wenn ich viele Geschichten schon kannte. Ansonsten gab es nicht so viel an Vergesslichkeiten. Nach dem Krankenhaus kam Kurzzeitpflege, um ein wenig Zeit für Entscheidungen zu haben. Dort fiel er nochmals hin, kam wieder ins Krankenhaus und hatte einen miserablen Hb-Wert von 6. Blutkonserven und wieder zurück ins Pflegeheim. Jetzt war das schwache Kurzzeit-Gedächtnis täglich zu spüren. Wir haben über etwas erzählt, 2 Minuten später wußte er von nichts mehr. nach der anfänglichen Appetitlosigkeit entwickelte er in den letzten 2 Wochen wieder mehr Lust aufs Essen, besonders auf die süßen Breie, die es dort gibt. Er ließ zaghaft Kontakt zu zu einer Witwe, die ganz begeistert ist von seiner rührenden Art. mit den Pflegenden kam er gut zurecht. es gab immer mal wieder so kurze Bemerkungen dass Papa zurück nach Hause will. auf die ich immer unisono antwortete, dass es nciht gehen wird. oder ihn fragte, wie er es sich vorstellt.


    Gestern jetzt war er total auf Krawall gebürstet. Verbal-aggressiv, betonte immer wieder ,dass es ihm dort nicht gefällt mit all den alten Frauen. Er will nach Hause. Wegen dem Corona-Mist war gestern eigentlich schon zu für mich, ich durfte trotzdem nochmal rein. Hab ihn erlebt und meine Entscheidung ist total durcheinander gewirbelt. Ich habe ihm die Kündigung seiner Wohnung vorgelegt, Papa hat brav unterschrieben. Und ich fühle mich sowas von mies. Noch ist die Kündiung nicht abgeschickt.


    Ich trau es mir nicht zu, ihn zu Hause zu betreuen. Klar es gibt die Frauen aus dem Osten, aber ich müßte auch viele Nächte bei ihm sein. Ich gehe arbeiten, bekomme Besuch von meinen Kindern, klassisch nach Trennung. Ursprünglich wollte ich es probieren mit dem zu Hause kümmern. Aber seine Verwirrung wurde in der Kurzzeitpflege immer größer. mit seiner gestrigen Wut kam er mir recht klar vor. Später ging er aus dem Speisesaal und wußte nicht mehr, wo sein Zimmer ist.


    Meine Schuldgefühle werden durch diese abrupte Trennung noch gesteigert. Seit Anfang Januar bin ich täglich bei ihm, hab mein Privatleben auf ein Minimum reduziert. und jetzt darf ihn womöglich 4 Wochen oder noch länger nicht mehr besuchen. Anrufen ist auch nicht einfach, weil er trotz Hörgerät ganz schlecht hört.


    vielleicht hat jemand von Euch eine Idee, wie ich umgehen kann mit diesem ganzen Chaos in mir und in meinem Herzen. Und irgendwo steht bei mir auch die Frage, was ist wenn sich die ganze Verwirrung zurück führen läßt auf den Blut-Mangel? was ist wenn er vielleicht doch nicht so krass dement ist, wie das Test-Ergebnis angezeigt hat?

  • Hallo Alm Oehi,

    herzlich willkommen im Elternpflegeforum.


    Bitte eröffne ein neues Thema zu Deinen Fragen, ausserhalb des Vorstellungsbereiches, damit wir disskutieren können.


    Hier möchte ich Dir nur erst Mal mit auf den Weg geben, dass Du die Dinge so regeln solltest, wie es für Dich möglich ist, gut damit klar zu kommen in der Praxis. Du kannst Dich nicht zerreissen.


    Liebe Grüssle


    Brigitte

    geb20.gifNimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr


    Startseite - So bin ich
    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung

  • Willkommen, Alm Oehi!

    Brigitte hat recht, Du solltest hier rasch ein neues Thema eröffnen - am besten alles geschriebene nochmal reinkopieren- damit wir Dir inhaltlich antworten dürfen!

    Denn dies ist nur der Vorstellungsthread, zum Guten Tag sagen und Wllkommen heißen!

    Mach das schnell! Dann können wir Stellung nehmen!!

    Zunächst: Deine Situation ist weiß Gott nicht einfach!

    Bis später!

    Geli

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