Jessy kümmert sich um ihre demenzerkrankte Mutter (PG3)

  • Hallo miteinander, :winke:


    dann will ich mich auch mal vorstellen, ich bin Anfang 30 und kümmere mich, zusammen mit meinen Vater, schon einige Jahre um meine Mutter (62 Jahre), die an einer frontotemporalen Demenz erkrankt ist. Die endgültige Diagnose bekamen wir im Aug. 2017, aber die allerersten Anfänge nahm die Krankheit, rückblickend, schon 2013/2014.


    Mit im Boot sind die gesetzliche und zwei ehrenamtliche Betreuerinnen.


    Da mein Vater auch gesundheitlich eingeschränkt ist (, bisher ohne PG), bin ich die eingetragene Pflegeperson meiner Mutter (PG3) und stemmen den größten Teil, also koordinieren von Arztterminen und Betreuung. Hilfe bei Hygiene, anziehen, Tabletten stellen, Haushalt; putzen, waschen, kochen, einkaufen etc.


    Wir standen sehr lange auf Wartelisten für Tagespflege-Einrichtungen, aber es hat bisher leider nicht geklappt, da meine Mutter, bis Mitte letzten Jahres, sehr unruhig war und einen ausgesprochen hohen Bewegungsdrang hatte, das hat sich aber mittlerweile gelegt, jetzt liegt sie auch tagsüber mehrere Stunden im Bett. Die Kommunikation wird auch zunehmend schwieriger, sie spricht generell weniger als zuvor, leichte Anweisungen versteht sie noch, aber sie findet jetzt nur noch selten die richtigen Worte und ich muss öfters erraten, was sie mir mitteilen will. Eine erfreuliche Sache, bei der ich wohl viel Glück im Unglück habe, ist, dass meine Mutter immer sehr positiv und gut gelaunt ist. Sie ist immer sehr lieb ( aber auch etwas distanzlos) und sie hat sich noch nie aggressiv gegenüber mir oder anderen verhalten.


    Letztes Jahr war ich sehr ausgelaugt, weil man ja kein Wochenende hat, als pflegender Angehöriger, darum hab ich um Kurzzeitpflege gebeten, nach einem guten halben Jahr Wartezeit bekamen wir einen Platz in einer Einrichtung. Dieser Platz hätte sogar dauerhaft sein können, aber ich habe es, aus diversen Gründen, nicht über Herz gebracht meine Mutter dort zu lassen.


    Der eine Monat, in dem sie in der Einrichtung war, hat mir leider nicht wirklich die Auszeit/Erholung gebracht, die ich mir davon erhofft hatte.


    Ich selber habe aufgrund von psychischen Problemen, (Angststörung und rezivierenden Depressionen) die seit Kindheit/Jugend bestehen, nie den Einstieg in die Arbeitswelt geschafft und leider auch keine abgeschlossen Berufsausbildung, selbst meine Schullaufbahn war mehr eine Farce, als alles andere. Das ganze nagt natürlich an meinem, eh schon kaum vorhandenen, Selbstwertgefühl. In Deutschland bist du nur etwas, wenn du was leistest, dass Geld einbringt, alles andere zählt nicht wirklich.


    Kennt ihr das, dass man tut was man kann, aber immer noch das Gefühl hat, dass es zu wenig ist? Wie wird man das los?


    Sehr bald muss ich wieder beim Jobcenter vorsprechen, und kann mich dieses Mal wahrscheinlich dafür rechtfertigen, warum ich meine Mutter nicht einfach im Heim gelassen habe. Mir wird jetzt schon mulmig, wenn ich an den kommenden Termin denke.


    Ich denke viel über über die Zukunft nach, wie wird es weitergehen? Leider gibt es keine Kristallkugel in die man einem Blick werfen könnte, aber vielleicht ist das auch besser so.


    Huch, ist etwas lang geraten, meine Vorstellung.

    Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben.

  • Hallo Jessy,


    herzlich willkommen im Elternpflegeforum.


    Du hast sehr viele Baustellen, an denen Du arbeiten musst, das tut mir sehr leid.


    Deine Mutter ist schon sehr jung Demenz erkrankt, was für Deinen Vater und Dich sehr hohe Lebenseinschränkungen bedeutet.


    Wäre es eine Option, wen Ihr eine erfahrene Hilfskraft fest einstellt, damit Du wieder ein Stück weit ein eigenes Leben führen kannst?


    Du bist noch jung genug, um etwas für Deine Zukunft und Selbstständigkeit zu tun, mit Unterstützung.


    Es gibt sicherlich Schulungs und Ausbildungsmöglichkeiten, für Menschen, die dem Druck der Standardprogramme nicht gewachsen sind. Vielleicht kannst Du diese Themen auf lange Sicht hin bei Besuchen des Jobcenters dort besprechen, es gibt auch Rehaberater dort.


    Von Herzen wünsche ich Dir, dass Du alle Hilfe einfordern und annehmen kannst,die in Eurer Familie gebraucht wird.


    Liebe Grüssle


    Brigitte

    geb20.gifNimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr


    Startseite - So bin ich
    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung

  • This threads contains 5 more posts that have been hidden for guests, please register yourself or log-in to continue reading.