MaryLou, 49 J., betreue meine Mutter (PG 2) gemeinsam mit meiner Tante seit einem Schlaganfall 2015

  • Hallo zusammen,


    wie schon im Titel geschrieben: seit 2015 kümmere ich mich - gemeinsam mit meiner Tante u. dem in deren Haushalt lebenden Cousin - um meine Mutter. Ihr Schlaganfall "aus heiterem Himmel" hat mich ziemlich aus der Bahn geworfen u. tut das eigentlich noch immer.


    Wir hatten immer eine recht enge Bindung (sie hat mich alleine großgezogen) und eigentlich war sie immer eher eine beste Freundin als die Erziehungsberechtigte. Da ich lange Zeit Single war (meinen Partner habe ich erst mit 32 Jahren kennengelernt, mittlerweile sind wir verheiratet, keine Kinder, führen eine Fernbeziehung), haben meine Mutter u. ich viel Zeit miteinander verbracht, sind mit anderen Verwandten in Urlaub gefahren etc. Die emotionale Bindung ist also schon recht stark.


    Durch ihren Schlaganfall hat sich vieles verändert. Insbesondere, dass sie sich vom Wesen her ziemlich verändert hat, macht mir sehr zu schaffen. Sie war immer eine lebenslustige, vielseitig interessierte Person. Mittlerweile besteht ihr Hauptinteresse am täglichen Fernsehprogramm. Nur ab und zu lässt sie sich dazu bewegen, nach draußen zu gehen. Dazu sollte ich vielleicht noch erzählen, dass sie (bzw. wir, mittlerweile wohne ich ja quasi wieder bei ihr, habe meine Wohnung am 57 km entfernten Arbeitsort aber noch behalten) auf einem "Familiengrundstück" wohnen, gemeinsam mit meiner Tante u. ihrem Sohn in einem Zweifamilienhaus sowie meiner Großnichte + Familie in einem weiteren Haus auf dem Grundstück. Es ist also eigentlich immer jemand da, den sie kennt. Sie ist aber so lethargisch, hat kaum an irgendwas Interesse....


    Ich merke, dass ich immer gereizter ihr gegenüber werde und ich weiß nicht, wie ich da gegensteuern kann. Es überfordert mich, dass sie mit (in meinen Augen) einfachen Hausaufgaben der Ergotherapeutin nicht klarkommt. Mein Kopf sagt mir, das sie das nicht mit Absicht macht, aber wenn sie dann mal wieder unsinnige Fragen stellt, habe ich das Gefühl, zu platzen - versteht Ihr, was ich meine?


    Was mich mir hier erhoffe, weiß ich gar nicht so recht. Vielleicht jetzt einfach mal den ganzen Frust von der Seele schreiben? Oder jemanden mit dem "Blick von außen", der mir den Kopf zurechtrückt u. mir klar macht, dass es anderen Betroffenen noch viel mieser geht? Denn eigentlich bin ich in einer recht komfortablen Situation: Etliche alltägliche Dinge kann sie noch selbst machen, meine Tante kümmert sich ums Essen und ich kann sowohl mal ein Wochenende zu meinem Mann fahren (meist kommt er allerdings her) bzw. auch in den Urlaub. Trotz allem habe ich das Gefühl, an meine Grenzen zu stoßen. Ich schlafe sehr schlecht, oft nur 4-5 Stunden, bin total dünnhäutig geworden, verliere so schnell die Geduld (das kannte ich früher so gar nicht von mir) und könnte manchmal einfach nur heulen, ohne direkten Grund.


    Hm, jetzt ist meine Vorstellung doch länger geworden als beabsichtigt - aber ich wusste nicht so recht, was ich weglassen könnte. Wer es bis hierher mit Lesen geschafft hat, bei dem bedanke ich mich schon mal herzlich.


    LG, MaryLou

  • Hallo Mary Lou


    herzlich willkommen im Elternpflegeforum .


    Das schwierige ist für Angehörige meist, die Veränderungen an einem geliebten Menschen einfach so an nehmen zu können.


    Letztendlich bleibt aber keine andere Wahl weil sich der veränderte Zustand nicht mehr beheben lässt und sich aller Wahrscheinlichkeit nach noch weiter verändern wird in kleinen Schritten.


    Deine Mutter kann nichts für diese Veränderung und dass es viele Menschen in ihrem Umfeld gibt, die sie kennt und die für sie da sind, ist ein grosses Geschenk .


    Nimm Deine Mutter bitte so an, wie sie jetzt ist und versuche bitte, die gemeinsame Zeit positiv mit ihr zu verbringen .


    Sie ist noch bei Dir/Euch, Zeit ist kostbar und Du kannst lernen, sie positiv zu sehen . Alles Andere macht Dich auf Dauer krank .


    Wenn die Eltern schwach werden, fühlen auch die erwachsenen Kinderseelen sich ein Stück verlassen und ungeschützt, das macht wütend. Vielleicht ist das mit ein Grund warum Du so fühlst zu Zeit . Du spürst das Ende Deiner Kindheit.


    Ich wünsche Dir von ganzem Herzen, dass Du lernen kannst, mit all diesen Veränderungen um zu gehen und dass Du die Zeit mit Deiner Mutter positiv geniessen kannst .


    Liebe Grüssle


    Brigitte

    geb20.gifNimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr


    Startseite - So bin ich
    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung

  • Liebe Brigitte,


    Du hast wohl Recht mit Deinen Worten zu den "erwachsenen Kinderseelen". Meine Mutter war immer ein Fixpunkt in meinem Leben - sie war immer für mich da. Und ja, da ist eine Wut in mir, dass es jetzt halt nicht mehr so ist. Ganz schön egoistisch ;( Wie kann ich lernen, das zu akzeptieren? Rein vom Kopf her weiß ich das ja, aber die emotionale Seite ist nochmal ganz anders, da kommt das nicht an.


    LG, MaryLou

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