Frage zu: Schriftstück zur Vermeidung von Reanimation im Pflegeheim?

  • Hallo miteinander,

    ich möchte Euch um Eure Meinung, Ideen bitten.

    Ich bin von einer losen Bekannten angesprochen worden, die weiß, dass ich Hospizhelferin bin.

    Ihre Mutter lebt in einem Alten-und Pflegeheim. Bis vor ca. 6 Wochen konnte sie mit ihrer Mutter noch per Rollstuhl nach draußen.

    Inzwischen liegt ihre Mutter nur noch, ist wohl wach, erkennt ihre Tochter aber oft nicht mehr, kann nicht mehr auf Fragen antworten..., "sehr durcheinander" und in einem "schlechten" Zustand, den die Tochter für "nicht lebenswert und sehr traurig" empfindet.


    Jetzt ist diese Tochter von einer Pflegekraft darauf aufmerksam gemacht worden - aufgrund einer aktuellen Situation im Haus - dass bei einem Herzstillstand _immer_ reanimiert/wiederbelebt werden _muss_ und zwar so lange, bis der Notarzt eintrifft.

    Dies wohl auch in Situationen, wo jemand in seinem Bett liegend auf dem Weg in eine andere Welt ist hier wurde der Senior auf den Boden gezerrt und mit der Wiederbelebung begonnen.

    Es geht hier nicht um meine persönliche Sichtweise, sondern um folgende Bitte:

    Wie kann die Tochter ihre Mutter vor einer solchen Situation schützen, beziehungsweise kann sie dies ohne das schriftliche Einverständnis ihrer Mutter überhaupt?

    Die Pflegekraft riet ihr, ein Schriftstück aufzusetzen, mit dem sie sich aber, verständlicherweise, überfordert fühlt.

    Sie hat wohl eine Betreuungsverfügung, ob auch eine Patientenverfügung vorliegt, weiß ich nicht.

    Kann ich ihr raten, die Textbausteine aus dem Ratgeber hier im EPF vom Juni 2015 "Bausteine einer Pat.verfügung" zu nutzen / ihr etwas formulieren?

    Oder muss etwas anderers beachtet werden?

    Kann ein Seniorenhaus überhaupt die rechtliche Richtigkeit einer solchen Verfügung, immerhin nicht mehr von der Mutter, also der Bewohnerin, unterschrieben, akzeptieren und im Falle des Falles sachgerecht anwenden - bei der hohen Fluktuation/Wechsel, durch Zeitarbeitsmitarbeiter, Schichtwechsel, etc. überhaupt zu wissen, bei welchen Bewohner soll /kann/darf ich und bei wem nicht?


    Ich selbst war ja in einer ähnlichen Situation und habe da hier um Hilfe angefragt. Ich habe von einem Notar meinen Willen bekunden lassen, dass ein Pflegedienst (nicht mehr an Bord) kein Rettungswesen rufen soll/darf, stattdessen aber meine Frau informiert. Das wurde vom Notar problemlos verfasst und vom Pflegedienst damals anerkannt. Was aber, wenn jemand anderes die Tour fährt und dieses Wissen nicht hat, passiert... Doch darum geht es heute ja nicht.


    Ich kann mir denken, dass es fast nicht möglich ist, zumindest nicht heute und in unserem Land. Es müsste am Bett, Rollstuhl,..., per Button bei Läufern... die Information geben... Zum Beispiel, blau = Reanimation und gelb = begleiten, nicht wiederbeleben.


    Macht es, falls es so ist, dass ein Schriftstück nicht sicher etwas bringt, trotzdem Sinn, "fürs Gefühl und falls sich jemand daran erinnert/daran hält", dies trotzdem zu tun?

    Wie geht es Euch mit Euren Abgrh

    Ich würde mich freuen, wenn Ihr Ideen für mich habt, damit ich diese dann gebündelt weiter geben kann.

    Danke schön!


    Viele Grüße

    Magdalena

    "Rumgeschubst, wie eine alte Schachtel Wachsmalstifte; aber die leuchtenden Farben habe ich mir immer bewahrt!" (Zitat aus: "Gottlos", K. Slaughter)

  • Hallo Magdalena,

    das Problem ist Folgendes:

    in einem "schlechten" Zustand, den die Tochter für "nicht lebenswert und sehr traurig" empfindet.

    Die Tochter, nicht die betroffene Person, empfindet das als nicht lebenswert....


    Optimal wäre, wenn eine Patientenverfügung vorhanden wäre, die diesen Punkt auch regelt.

    Wenn kein solches Dokument vorhanden ist, muss der mutmaßliche Wille ermittelt werden:


    Mutmasslicher Wille: Eine Entscheidung im Miteinander


    Ich würde den Hausarzt ins Boot holen und sagen, dass ausschließlich der Hausarzt verständigt werden darf (natürlich vorausgesetzt, dass der das mitmacht).
    Eine Verständigung des Notarztes kann die Tochter auch untersagen, wenn eine Vorsorgevollmacht vorliegt, in der verfügt ist, dass die Bevollmächtigte Behandlungen auch ablehnen darf.


    Grundsätzlich und unabhängig von der rechtlichen Situation lassen sich viele Einrichtungen darauf ein, dass sie auf die Verständigung eines Notarztes verzichten, wenn sie es von den Angehörigen schriftlich bekommen. Dazu eignen sich die Textbausteine durchaus.


    Herzliche Grüße

    Heike

  • Liebe Magdalena,


    ohne gezielt formulierte Patientenverfügung wird es schwierig. Die Tochter kann versuchen sich auf ihre Betreuungsvollmacht und den ihr gegenüber ausgesprochenen Wunsch der Mutter nicht reanimiert zu werden berufen.

    Auch ein Richter vom Betreuungsgericht/Vormundschaftsgericht könnte , wenn er die Mutter angesehen hat, dem Verlangen ,keine Reanimation mehr, statt geben und verfügen .


    Klar muss immer das Interesse und der ausgesprochene Wille der Mutter sein .


    Wurden denn diese Fragen nicht bei Aufnahme der Mutter in der Aufnahmedoku schon abgefragt? Ist teilweise schon üblich.


    Gibt es vielleicht eine Generalvollmacht und die Tochter kann sich auf ihr dort verankertes Handlungsrecht berufen?


    Wir haben diese Dinge in unserer Generalvollmacht für unseren ältesten Sohn geregelt damit er es im Fall der Fälle einfacher hat.


    Liebe Grüssle und eine sinnvolle Lösung


    Brigitte

    geb20.gifNimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr


    Startseite - So bin ich
    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung

  • This threads contains 2 more posts that have been hidden for guests, please register yourself or log-in to continue reading.