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Jule holt ihre Schwiegermutter zu sich!

  • Hallo liebe Mitglieder dieses wundervollen Forums,


    mein Name ist Jule, ich bin 38 Jahre alt, Heilpraktikerin für Psychotherapie und lebe mit meinem Mann und unseren beiden Kindern in Niedersachsen. Ich lese hier unangemeldet schon eine ganze Weile immer mal wieder rein und habe mich nun doch entschlossen mich anzumelden.


    Die Situation ist folgende: Meine Schwiegermutter (noch 74 Jahre, ab Mai 75) lebt nach dem Tod ihres Mannes noch alleine in Berlin in ihrer Wohnung. Sie hat seit vielen Jahren starke Arthrose in den Schulter- und Kniegelenken (Schultergelenke sind mittlerweile beide künstlich, aber nach wie vor stark bewegungseingeschränkt und schmerzhaft). Seit ca. einem halben Jahr stellen mein Mann und ich fest, dass sie zunehmend Schwierigkeiten hat alleine den Alltag zu bewältigen. Ihre Wohnung ist nicht altersgerecht (Badewanne, sehr niedrige Toilette, Stufen vor der Wohnungstür etc). In den vergangengen Wochen ist sie 4mal gestürzt und konnte dann ohne fremde Hilfe nicht mehr aufstehen. Zudem kann sie immer schlechter gehen - sie nutzt derzeit eine Krücke, wobei ihr auch das Aufstützen mit den Schultergelenken sehr schwer fällt. Wenn sie aus dem Sessel, von der Toilette oder vom Stuhl aufstehen möchte, braucht sie mehrere Anläufe und es kostet sie große Anstregung und bereitet ihr Schmerzen.


    Mein Mann und ich bauen derzeit ein Haus mit einer Einliegerwohnung, da ich dort auch arbeiten möchte. Wir haben nun mit ihr lange gesprochen und gemeinsam entschieden, dass wir sie zu uns holen. In Berlin hat sie nach dem Tod ihres Mannes kaum noch Sozialkontakte und ist zu der beginnenden Gebrechlichkeit sehr einsam.


    Nun geht es beim Bau soweit voran, dass wir mit sehr großen Schritten auf die Inneneinrichtung zusteuern und ich erhoffe mir hier wertvolle Anregungen für die Einrichtung und dann natürlich auch für den "Pflegestart". Wir wollen im April umziehen und holen meine Schwiegermutter dann, sobald wir drin sind. Ich möchte ihr nicht zumuten in ein "Kartonchaos" zu kommen. Ihr ist es ohnehin schon sehr unangenehm, dass sie immer mehr auf Hilfe angewiesen ist. Sie schämt sich sehr dafür.


    Vielen Dank an Euch alle, die ihr dieses Forum zu so einer wertvollen Hilfestelle macht!

  • Hallo Jule, :laecheln:


    was mir spontan zu Deiner Frage einfällt: mach bitte im Vorfeld mit der Schwiegermutter nochmal ganz, ganz klar, ob sie wirklich zu Euch umziehen will.

    Sie soll Euer letztes Gespräch nicht vergessen, oder wegschieben, sondern wirklich dazu stehen.


    Und dann behalte im Auge, dass sie ihre Möbel und Sachen mitnehmen sollte, um sich heimisch zu fühlen.

    Deshalb: wenn es irgendwie geht, nimm sie vor ihrem Umzug einmal mit in ihre zukünftige, noch leere Wohnung. Zumindest versuche ihr ihre neue Bleibe anhand von Bildern so deutlich wie möglich zu zeigen. Sie soll selber aktiv mitplanen, wo sie was hinstellt, wo ihr Schrank hinpasst und das Bett, und so weiter...

    Finde heraus, was ihr von ihren Sachen sehr wichtig ist, und was UNBEDINGT mit muss! Für mache alte Leute sind auch Zimmerpflanzen wichtig, die sie lange pflegten. Achte auch dies!


    Ich schreibe insofern aus Erfahrung, als dass meine Cousine meine alte Patentante Mia von Dortmund nach Augsburg holte.

    Es war nicht ganz geklärt, dass sie absolut dort bleiben sollte, das gab in der Folge ein emotionales Chaos. Zudem kamen ihre Möbel nicht mit, die Tante Mia fürchterlich vermisste. Wie oft rief sie mich an, und bat mich unter Tränen, sie von ihrer Tochter wieder wegzuholen!

    Die Vorstellung, dass ihre gesamte Habe, an der sie ein Leben lang gehangen hatte

    ( Wohnzimmerschrank, Sofa. etc.) , fortgeworfen worden war, erfüllte sie mit Bitterkeit und Zorn.

    So entwickelte sich meine vorher lebenslang liebenswerte Tante Mia die nächsten Jahre zu einem Hausdrachen, der meiner Cousine und ihrer Familie das Leben extrem schwer machte. Jeder Tag begann mit Missgunst und Bösartigkeiten - und endete auch so.


    Nun rief auch abwechselnd meine Cousine bei mir an und weinte. Sie hatte es doch nur gut gemeint! Sie wollte sich um die alte Mutter kümmern! Und wie schlecht dankte sie es ihr!

    Dann begannen sie sich gegenseitig zu bespitzeln, also, die eine durfte mich nicht anrufen, ohne dass die andere nicht vielleicht heimlich mithörte. Um sich dann, nach den Lauschattacken, gegenseitig böse Vorwürfe zu machen. - Furchtbar.

    Und der größte Zorn für Tante Mia war dann noch der Schwiegersohn, an dem sie alle Vorwürfe ausließ, die ihr gegenüber ihrer Tochter nicht einfielen. Bzw. wo sie "Schuld" von der Tochter auf ihn transportiere. Beispiel: "DU hast es ja nur gemacht, dass ich von meiner Tochter geholt wurde, weil DU geldgierig bist und jetzt von meinem Pflegegeld leben willst! Du warst schon immer geldgierig! Du hast meine Tochter schon immer ausgenutzt!"


    Es endete damit, dass meine Verwandten sie nach drei/vier Jahren in ein Heim gaben, wo meine Patentante verbittert starb.


    Also, liebe Jule, achte darauf, dass, wenn Du den Umzug nicht von vorn herein sauber abfängst, sich ihr Zorn nicht später gegen Dich wendet. Du bist als Schwiegertochter das schwächste Glied der familiären Kette. Da können auch Vorwürfe hochkommen, die uralt sind, und von denen Du glaubtest, sie seien längst erledigt.


    Eine andere Alternative wäre ein ( natürlich gutes!) Heim in Berlin. Da bliebe die alte Frau zumindest in ihrer Stadt, die sie gut kennt und sicherlich auch liebt. Auch die Sozialkontakte im Heim würden sich um die bekannte Stadt drehen, man weiß halt, unter den Bewohnern und den Pflegerinnen, von was man spricht, wenn es um Berlin geht.

    Das kann eine nicht zu verachtende Vertrautheit für einen alten Menschen bedeuten.

    Solange der Geist noch klar ist, sind hier, aus meiner Arbeit im Heim, die Ansprüche an ein Zimmer auch geringer. Alte Leute sagten dort: "Das ist alles was mir geblieben ist! Mein Sofa! Mein Sekretär, meine Orchideen! Aber es musste so sein. Allein wäre ich nicht mehr klargekommen."


    Deshalb check gut ab, was Ihr macht!


    Die ganzen baulichen Erleichterungen sind Dir ja sicher klar: Behinderten gerechte Dusche, vorsorglich rollstuhlbreite Türen, erhöhtes Klo mit Griffen, keine kleinen Teppiche oder Matten als Stolperfallen. Falls Schwiegermutter noch eine Küche mit Herd haben soll, achte auf einen , der sich selbst abschaltet, sobald die jeweilige Platte nicht mehr belastet ist.

    Nimm auch lieber einen Elektroherd mit Platten, als einen Ceranherd. Die sind robuster. Meine alte 90 jährige Mutter hat es tatsächlich geschafft, einen Ceranherd zu knacken. Wie, das weiß ich bis heute nicht. Zersplitterte Platte. Und das kann lebensgefährlich sein! Der Strom, wenn man da falsch anfasst, kann einen Menschen sofort erledigen.


    Solange sie noch selbst halbwegs aufstehen kann, benötigt sie KEIN Pflegebett! Sie kann in ihrem lang vertrauten Bett weiterschlafen! Und selbst wenn es nur die Hälfte des Ehebettes ist. Ist aber vertraut, und das Wohlfühlen fällt leichter.


    Ich wünsche Dir, dass alles gut geht!


    Geli

  • Guten Abend Jule,


    herzlich willkommen im Elternpflegeforum .


    Geli hat ja schon auf Vieles hingewiesen, was es zu bedenken gibt.


    Ich wünsche Euch von Herzen, dass Eure WG von Anfang an positiv funktioniert und ich persönlich würde ein oder zwei Haustiere in die Familie integrieren. Tiere können eine grosse Bereicherung im Leben sein und den Tag wärmer machen.


    Dann ist es sicher nicht verkehrt, wenn Ihr Euch schon über Entlastungsmöglichkeiten im neuen Umfeld informiert, damit die Seniorchefin Helfer gleich von Anfang an kennen lernt. Ich denke dabei an Besuchsdienste kommunaler oder kirchlicher Ehrenamtlichen oder die organisierte Nachbarschaftshilfe usw. Auch Ihr braucht Auszeiten und somit kann Versorgung und Betreuung der alten Dame sicher gestellt werden, wenn Ihr länger nicht anwesend seid.


    Liebe Grüssle und nicht so viel Stress für Bau und Umzug, und vor allen Dingen einen guten Start im neuen zu Hause.


    Liebe Grüssle


    Brigitte

    geb20.gifNimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr


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    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung

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