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Das Märchen vom kleinen Engel oder: Warum Engel besser unsichtbar sein sollten

  • Hallo in die liebe Runde. :-)


    Ich habe eine etwas unmögliche Kindergeschichte geschrieben. Wie ich Kati schon erzählt habe, schreibe ich als "Mia" auch in einem Pflanzenforum, um nicht zu sagen im Bio-Gärtner-Forum.

    Da gibt es dieses Jahr einen Adventskalender aus Beiträgen der User mit Geschichten und Rezepten und sowas. Und weil die Geschichte schon urlange bei mir rumlag, habe ich sie endlich zu Ende gebracht. Viel Begeisterung habe ich dort mit der Geschichte nicht erweckt, glaube ich, aber ich möchte sie Euch nicht vorenthalten. Meine alten Zeichnungen passen auch nicht mehr, eventuell noch die erste, die füge ich hier ein.

    Die Geschichte ist für meinen Vater, der mit 14 vom Gymnasium flog, weil er meinte, unbedingt des Nachts in Clubs klavierspielen zu müssen. ( Zum Auftritt angetan mit den weißen Kommunionshandschuhen seiner größeren Schwestern, oder deren sonstigen weißen Handschuhen, die er heimlich aus deren Schubladen stibitzte.) Niemand der entsetzten Lehrer, Eltern und Erzieher ahnte damals, dass ihm das gekonnte Klavierspiel einmal das Leben retten würde. In der russischen Kriegsgefangenschaft, die bei ihm bis Ende 1949 dauerte, wurde er , als Gefangener, in russische Offizierskasinos gebracht, wo er zum Tanz aufspielen musste. Dafür erhielt er Zigaretten, Schnaps - und Essen! Anders als seine Kollegen im Lager musste er kein Gras vertilgen, um seinen größten Hunger zu stillen.

    Gleichzeitig ist die Geschichte für meine kleinwüchsige Nichte.


    Weil die Geschichte lang ist, kommt sie in drei Teilen.


    Viel Spaß beim Lesen!


    Das Märchen vom kleinen Engel

    oder

    Warum Engel besser unsichtbar sein sollen



    Ein roter Abendhimmel leuchtet über der Schneewiese.

    "Schau, die Engelchen backen Plätzchen!", sagt Inga zu Robin, ihrem jüngeren Bruder.

    "Unsinn!", meint der. "Das ist einfach die Natur, die den späten Himmel im Dezember rot färbt! Opa glaubt auch nicht an so einen Quatsch. Komm, wir rodeln noch dreimal, und dann ab nach Hause! Vor dem Dunkelwerden sollen wir da sein!"


    Derweil, siebzig oder siebenhundert Etagen höher, direkt über den Wolken, backen viele kleine Engel Plätzchen. Alle sind dabei glücklich und zufrieden. Alle? - Nein. Einer nicht. Der allerkleinste Engel, gerade mal so groß wie eine Mohrrübe, hat sich mit seinem hölzernen Rührlöffel davon geschlichen. Denn da hängt noch so viel leckerer Teig dran, und den will er in aller Ruhe aufessen.


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    Nun sitzt er am Himmelsrand auf einer Wolke, lässt die Beine baumeln, und während er den großen Holzlöffel genüßlich abschleckt, schaut er hinunter auf die Erde. Und was sieht er da? Schnee! Und Kinder, die darin herumtollen und mit dem Schlitten fahren.

    Da denkt sich der kleine Engel: Das möchte ich auch! Schlittenfahren! Warum gibt es hier im Himmel keine Schlitten und keinen Schnee? Rodeln gehen! Das ist doch viel aufregender als das doofe Plätzchenbacken!

    Und hast du's nicht gesehen, flattert er rüber, zur nächsten kleinen, rosigen Abendwolke, rammt seinen hölzernen Rührlöffel als Mast mitten hinein, hängt seine Küchenschürze als Segel daran auf - und fliegt los! Ab zur Erde!


    "Junge!" tönt die untergehende Sonne mit weicher Stimme über den Horizont. "Wo willst du denn hin?"

    "Zur Erde! Rodeln gehen!", quiekt der Knirps.

    "Bist du denn narrisch?", ruft die Sonne, "du gehörst ins Bett! Ich werde im Himmel Bescheid sagen, dass du dich rumtreibst..."

    "Nein!", ruft der kleine Engel so laut er nur kann. "Du selbst gehörst ins Bett, liebe Sonne! Deine Zeit ist für heute abgelaufen!"

    Und tatsächlich! Die Sonne muss jetzt untergehen. Und zwar ohne ein weiteres Wort.

    Sie kann den kleinen Ausreißer jedenfalls nicht mehr im Himmel verraten!


    "Glück glückt immer!", freut sich der Kleine. Weiter, nur weiter! Runter, nur runter!

    Hui, wie ihm der Wind um die Ohren pfeift! Und wie dunkel es jetzt ist. Der winzige Engel jubelt - bis ihn der Mond entdeckt.

    "Engelkind, wo willst du denn hin, so spät am Abend?"

    "Zur Erde runter, Schlittenfahren!", ruft das Kerlchen vergnügt.

    "Holterdipolter!", brummt der Mond. Auf seiner Stirn bilden sich dunkelbraune Zornesfalten. "Es ist die Nacht vor Heiligabend! Nur Schutzengel dürfen jetzt noch auf die Erde! Und erzähl mir nicht, du Wicht, dass ausgerechnet dich jemand von der Erde gerufen hat!"

    "Doch bestimmt", erklärt der kleine Engel treuherzig. "Ich meine, äh... hundertprozentig vielleicht. "

    Da bekommt der Mond eine Farbe wie saure Sahne. "Du bist ein Plätzchenbackengel, kein Schutzengel!", schäumt er. "Nach Hause mit dir! Sonst kommst du noch zu spät zum Weihnachtsfest!"

    "Och, sorg dich mal nicht, guter Mond!" Der kleine Engel lächelt so goldig. "Wenn ich einen Weg hinunter finde, finde ich auch wieder hinauf!" Spricht's, zurrt sein Segel fester - und wusch! - ist er dem Mond direkt unter der Nase entwischt.

    "Junge, komm zurück!", schreit der alte Mond hilflos hinter ihm her. "Guck, dass du ins Bett kommst!"

    "Mach ich, mach ich bestimmt!", kräht der kleine Engel glücklich von Ferne. "Jedenfalls, sobald ich mein Bett wiedersehe..." Diesen Satz sagt er aber nur ganz leise.


    Wie der Wind pustet! Wie sich sein Segel bläht! Wie es vorwärts geht! Ganz allein ist der kleine Engel nicht. Neben ihm sieht er einen winzigen, flackernden Stern. "Hey, wo willst du denn hin, mitten in der Nacht?", fragt der.

    "Zur Erde, Schlittenfahren!"

    "Klasse Idee", meint der Stern ironisch. "Im Dunkeln erkennst du ja noch nicht mal die Bäume, die dir im Weg stehen!"

    "Es wird auch wieder hell!", kontert der kleine Engel. "Sei vernünfig und flieg wieder nach Hause!", meint der Stern. "Du bist zu klein für solche Abenteuer! Du kennst ja nicht einmal die Engelregeln! Du ahnst nicht mal, wie alles geht! Ab nach Hause mit dir!"

    "Ja, ich weiß, dass ich klein bin", knurrt der Winzling. "Die anderen Engel lachen über mich. Ich verstehe nicht, warum ich nicht wachse!"

    "Ja, weißt du das denn auch nicht?", staunt der Stern. "Alle kleinen Lebewesen wachsen durch Freude! Ganz egal ob Tier, Mensch oder Engel, sie werden erst groß durch Freude, Liebe und Lob!"

    "Und deswegen muss ich zur Erde!" schreit der kleine Kerl.

    Da löschte der flackernde Stern sein Licht aus und ging schlafen, vernüftig wie er war.



    Als der kleine Engel auf der Erde landete, war es heller Vormittag. Er vertäute sein rosiges Wölkchen mit der Küchenschürze an einer hohen Tanne, und rutschte dann auf dem Popo die verschneiten Zweige hinunter. Hu! Es erstaunte ihn aber doch, wie kalt der weiße Schnee war. Als er sausend unten angekam, steckte er bis zum Hals darin. Plopp! Nur sein Kopf guckte noch heraus. Aber da kamen ja auch schon Kinder!

    "Hallo! Hier bin ich!", brüllte der Winzling aus Leibeskräften. "Ich will mit euch schlittenfahren!"


    "Da ist was unter der Tanne", meinte Inga zu ihrem Bruder. "Ich glaube, ein Vogel piepst da. Wollen wir mal nachgucken?"

    Mit Erstaunen nahmen die Kinder den winzigen Kopf des Engels wahr, dessen Lippen sich bewegten und von dem relativ leise Worte ausgingen.

    "Das ist eine Puppe!", erklärte Robin. "Zieh sie mal raus! Bestimmt hat sie hinten einen Schalter, mit dem man sie an- und ausmachen kann."

    Inga tat wie geheißen. Und dann saß ein winziger Engel auf ihrer Hand, der sich mühsam den kalten Schnee abklopfte.

    "Ja, wer bist du denn?", flüsterte Inga hingerissen.

    "Ich bin ein Engel!"

    "Engel gibt's nicht", verkündete Robin sachlich, der gut zugehört hatte. "Und erst recht nicht solche Winzdinger wie dich! Opa glaubt auch nicht daran! Engel sind, wenn schon, dann sehr groß, und außerdem sind sie unsichtbar! Du bist eine Puppe, gib's schon zu!"


    "Nein!", krähte der Kurze. "Ich bin ein Engel, ehrlich. Und warum ich nicht unsichtbar bin, das weiß ich auch nicht. Ich kenne mich in Engeldingen noch nicht so gut aus. Ich kann aber versuchen, unsichtbar zu werden, wartet mal!"

    "Nein, nein, bleib wie du bist!", rief Inga eilig. "Wenn du unsichtbar bist, sehen wir dich ja nicht mehr!"

    "Na, einen Versuch kann ich ja machen!", tönte der Kleine selbstsicher. "Ich kann mich ja auch wieder zurückverwandeln, falls es nicht hinhaut!"

    Dann breitete er seine Ärmchen aus, drehte sich dreimal um sich selbst - und wurde von Kopf bis Fuß hellgrün.

    "Upp!" , stöhnte Inga. "Steht dir nicht so gut!"

    Nun drehte sich der kleine Engel in die entgegengesetzte Richtung, da wurde er wieder weiß, in einem zarten Hemdchen, mit goldenen Flügeln.

    "Kalt ist es hier!", schnaubte er.

    "Ja, du hast auch schon ganz blaue Lippen", meinte die fürsorgliche Inga. "Komm, zieh' meinen Norwegerhandschuh an! Der hat am Daumen und an der Seite ein Loch. Da kannst du deine Hände durchstecken!"

    "Und nun: Schlittenfahren!", jubelte das winzige Engelein aus der Wollverkleidung.


    Robin hatte bis jetzt zu allem geschwiegen, aber als es darum ging, wo das Engelchen auf dem Schlitten sitzen sollte, meldete er sich zu Wort: "Bei mir, in der Brusttasche! Da passt er perfekt rein!"

    So geschah es - und für den kleinen Engel begann ein wunderbarer Tag. Die Sonne strahlte ohne Unterlass und überhauchte die Schneewiese mit hellblauem und silberigen Glitzer.

    Das Engelchen hätte den Kindern gerne geholfen, den Schlitten immer wieder nach oben zu ziehen, aber seine ungeübte Engelkraft reichte gerade aus, dass das störrische Ding immer mal wieder einen unberechenbaren Hopser in die Höhe machte.


    Trotzdem war alles wundervoll - bis am späteren Nachmittag die 'Herren' kamen. Man hätte sie auch 'Kerle' nennen können, doch die kräftigen jungen Männer, die mit schnellen Autos vorfuhren, bevorzugten den Ausdruck 'Herren'. Sie hießen Herr Oberbossel, Herr Ruhfuß und Herr Mölksbolk. Sie besaßen Motorschlitten. Auf der Schneewiese kamen sie mit einem Grill an, wie er im Frühjahr benutzt wird, mit einer Packung eingeschweißter Bratwürstchen, einer Flasche Wodka ( gegen die Kälte) und einem Kasten Bier.


    Fortsetzung folgt

  • Liebe Geli,


    ich finde diese Engelei von Dir total niedlich und spannend bis jetzt und freue mich schon auf die Fortsetzung.


    Dein Vater hatte grosses Glück, dass er musisch begabt war, diese Begabung hat einigen Menschen das Leben gerettet, allerdings waren der Grund und die Umstände vernichtend.


    Liebe Grüssle


    Brigitte

    geb20.gifNimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr


    Startseite - So bin ich
    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung

  • Oooch schade! Schon zu Ende? Ich wollte doch noch weiterlesen. Hoffentlich kommt Deine Fortsetzung BALD

    :g03: liche Grüße
    Irmi


    Es muß sich alles ändern, damit alles so bleibt wie es ist.(Guiseppe Tomasi di Lampedusa ) :hi2:

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