BVSD: Schmerztherapie droht das Aus - Spardruck trifft Patienten mit chronischen Schmerzen

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  • BVSD: Schmerztherapie droht das Aus - Spardruck trifft Patienten mit chronischen Schmerzen

    Potsdam (ots) - Nach den Prognosen des Berufsverbandes der Schmerztherapeuten in Deutschland e.V. (BVSD) wird sich die Versorgung von chronischen Schmerzpatienten drastisch verschlechtern. "Grund ist die unverantwortliche Ignoranz von Kassenärztlichen Vereinigungen und der Krankenkassen gegenüber dem Versorgungsbedarf chronischer Schmerzpatienten. Schmerzpatienten brauchen eine besonders zeitintensive und qualifizierte Behandlung. Trotzdem sollen die Honorare für schmerztherapeutische Leistungen um bis zu 30 Prozent gekürzt werden. Hier den Rotstift anzusetzen ist nichts als politische Willkür", erklärte Dr. Reinhard Thoma, BVSD-Präsident.

    Die Delegiertenversammlung des BVSD forderte heute in Potsdam die Kassenärztliche Bundesvereinigung und den GKV-Spitzenverband auf, sich bei den Kassenärztlichen Vereinigungen bzw. den Landesverbänden der Krankenkassen für eine konsequente Umsetzung der Empfehlung des Erweiterten Bewertungsausschusses einzusetzen. Der Erweiterte Bewertungsausschuss hatte zuletzt 2009 die besondere Förderungswürdigkeit schmerztherapeutischer Leistungen festgestellt und empfohlen, diese auch extra zu vergüten. "Dies wird jedoch nun von vielen KVen und Landesverbänden der Krankenkassen ignoriert. Statt ihrer eigenen Empfehlung zu folgen, wird auf dem Rücken der Schmerzpatienten versucht, eine missglückte Honorarreform gerade zu bügeln", so Thoma. Viele Schmerzpraxen in Deutschland hätten bereits aus betriebswirtschaftlichen Gründen aufgegeben.

    Um die schmerztherapeutische Versorgung von chronischen Schmerzpatienten sicher zu stellen, müsse es nach Auffassung des BVSD bundeseinheitliche Honorarregelungen geben. Schmerztherapeutische Leistungen zur Behandlung von chronischen Schmerzpatienten müssten auch außerhalb der morbiditätsorientierten Gesamtvergütung (MGV) vergütet werden. Die akute Schmerztherapie gehöre hingegen als "freie Leistung" innerhalb der MGV honoriert, so die Forderungen des BVSD.

    Speziell schmerztherapeutisch ausgebildete Ärzte und Psychotherapeuten sind festgelegten Qualitätsanforderungen unterworfen wie z.B. Fallzahlbegrenzung (max. 300 Fälle je Arzt), organisatorische Abläufe, Teilnahme an Schmerzkonferenzen. Nach epidemiologischen Schätzungen gibt es in Deutschland mindestens 8 Millionen Menschen mit behandlungsbedürftigen chronischen Schmerzen. Eine europäische Studie ergibt eine mittlere Prävalenz chronischer Schmerzen von 19 Prozent, in Deutschland 17 Prozent aller Bürger.

    Quelle