Pressemitteilung des Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk: Weniger Medikamente und mehr Zuwendung

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  • Pressemitteilung des Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk: Weniger Medikamente und mehr Zuwendung

    "Pillen - ab in die Tonne", ein Bericht des Neusser Stadt-Kuriers vom 04.07.2009, löste vielfältige Irritationen aus. Ist es wirklich rechtlich zulässig und hinnehmbar, dass Medikamente einfach mit dem Hausmüll entsorgt werden? Diese und weitere Fragen gab es zuhauf.

    Nach Auswertung von einschlägigen Stellungnahmen des Umweltbundesamtes bzw. des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (2008/2009) ist es in der Tat so, dass Altarzneimittel sogenannten Siedlungsabfall darstellen, dessen Entsorgung über den Hausmüll zulässig ist. Es wird dabei lediglich eine gewisse Sorgfalt erwartet, damit die Altmedikamente nicht unbeabsichtigt in die Umwelt oder in falsche Hände gelangen.
    Erste Wahl für die sichere Entsorgung nicht mehr benötigter Medikamente sind aber die Apotheken und Schadstoffmobilsammelstellen. Dabei ist zu bedenken, dass den Apotheken keine Rücknahmepflicht von Altarzneimitteln obliegt. Es darf aber als Service einer Apotheke angesehen werden, von ihren Kunden zurückgebrachte Altarzneimittel anzunehmen. Die Apotheke kann dann eine Weiterleitung an die jeweilige Schadstoffsammelstelle ohne irgendwelche Kosten veranlassen.

    Weniger ist oft mehr - Medikamentation ist kein Allheilmittel!
    Im Zusammenhang mit der Entsorgung entbehrlicher Altmedikamente ergibt sich aber auch noch eine andere Erwägung: Wie wäre es eigentlich damit, den Medikamentenkonsum auf das wirklich notwendige Maß zurückzuführen und die persönliche Zuwendung zum Patienten in den Mittelpunkt des Behandlungsgeschehens zu rücken? Viel zu oft verlassen Patienten die ärztliche Praxis mit einem Rezept in der Hand. Tatsache ist, dass Ärzte oft unnötige und in der Summe zu viele Medikamente verschreiben. Das stellte erst kürzlich der Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen in seinem Gutachten 2009 fest.
    So erhielten Kinder häufig ohne Notwendigkeit Psycho-Stimulanzien und Antibiotika bei Infektionen mit Viren. Antibiotika helfen aber nur bei bakteriellen Infektionen und die zu häufige Einnahme macht sie auf Dauer wirkungslos.
    Bei den über 65-Jährigen bekämen 35 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen neun oder mehr Wirkstoffe in Dauertherapie. Nebenwirkungen seien ein Kernproblem. Ärzte schätzen, dass Neben- und Wechselwirkungen der Medikamente 35 Prozent aller Beschwerden von Senioren verursachen. Das alles nimmt bereits bedrohliche Ausmaße an. 800.000 Menschen in Deutschland nehmen dauerhaft so genannte Benzodiazepine - rezeptpflichtige Medikamente mit hohem Suchtrisiko. Weitere 130.000 sind davon so schwer abhängig, dass sie ohne gezielte Hilfe kaum noch davon loskommen werden.
    In Deutschland wird die Zahl der Personen, die von Medikamenten abhängig sind, auf 1,3 bis 1,9 Millionen Abhängige geschätzt. Die Medikamentenabhängigkeit, als so genannte "heimliche Sucht" bezeichnet, bleibt für die Familien und Freunde der Betroffenen häufig lange unerkannt. Betroffen sind etwa zu zwei Dritteln Frauen. Im Deutschen Ärzteblatt vom 20.04.2009 heißt es dazu schlicht aber bedeutungsvoll: "Deutsche Ärzte fördern einer Studie zufolge durch Sorglosigkeit die Abhängigkeit ihrer Patienten von Medikamenten."

    Arzneimittelausgaben sind zu hoch

    Mittlerweile sind die Ausgaben im Gesundheitssystem für Medikamente höher als die Ausgaben für die Ärzte. Wir müssen daher endlich erkennen, dass die Medikamentation nicht das Allheilmittel ist. Die sprechende Medizin, seit Jahrzehnten stärker eingefordert, gehört in den Mittelpunkt der Patientenversorgung.
    Die Verordnung von Medikamenten ist nicht selten eine Verlegenheitslösung: "Patienten werden mit einem Rezept abgespeist." Das muss sich ändern, auch aus Kostengründen. Die Arzneimittelkosten laufen nämlich aus dem Ruder, so dass auch wegen der notwendigen Finanzierung anderer Therapien eine Kehrtwende zwingend erscheint. Wenn wir diese Kehrtwende nicht schaffen, wird es drastische Rationierungen in anderen Bereichen geben (müssen). Dass die Patienten durch die überflüssige Arzneimitteltherapie auch noch in Abhängigkeit geraten, also Schaden nehmen, ist ein weiterer Grund für Veränderungen.

    Wenn wir einen an den Geboten der Notwendigkeit orientierten Umgang mit Medikamenten durchsetzen, erübrigen sich in der Zukunft Diskussionen um die Entsorgung entbehrlicher Altarzneimittel!

    [quelle]Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk
    Unabhängige und gemeinnützige Initiative
    Vorstand: Werner Schell - Harffer Straße 59 - 41469 Neuss
    Tel.: 02131 / 150779 - E-Mail: ProPflege@wernerschell.de
    Internet:www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de[/quelle]
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