Christine: Zwischen schlechtem Gewissen und totaler Erschöpfung

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    • Christine: Zwischen schlechtem Gewissen und totaler Erschöpfung

      Hallo,
      meine Mutter ist 80 Jahre alt, wirklich sehr krank. Sie ist sehr tapfer, lebt zuhause, sitzt im Rollstuhl. Ich habe eine Konstruktion mit Nachbarschaftshilfe, Freunden und Diakonie gebastelt, die im Prinzip funktioniert. Doch die Wünsche und Anforderungen meiner Mutter hören nicht auf. Kaum bin ich zur Tür rein, empfängt sie mich mit "Kannst Du mal...?" Und dann hört die Liste, was ich noch eben mal schnell machen könnte, nicht auf. Eine neue Matratze fürs Pflegebett, ein neuer Schrank, das Regal auf die Kommode stellen (totaler Quatsch), das Auto soll verkauft werden, eine Mikrowelle muss her... Immer, wenn ich denke, jetzt hab ich doch wirklich alles erledigt, fehlt wieder etwas. Ich bin ständig am Rennen und es hört nie auf. Es ist nie genug.

      Ich merke auch, sie ist unzufrieden, wenn sie nicht im Mittelpunkt steht und sie langweilt sich oft. Ich habe mit 3 Jahren schon allein auf ihre Mutter aufgepasst, bis ich 19 war und ausgezogen bin. Nie hat sie oder eines ihrer Geschwister gefragt, wie es mir geht. Ich hatte immer Angst, dass mir die Oma stirbt. Bei meiner Mutter fühle ich mich wieder für alles verantwortlich: dass alles gut für sie geregelt ist, dass ihr nicht langweilig ist...

      Mittlerweile bin ich total erschöpft. Leute sagen mir: "Du musst gut für dich sorgen." Ich kanns bald nicht mehr hören.

      Ich fühle mich permanent in einer Bringeschuld meiner Mutter gegenüber. Über den Kopf weiß ich, dass ich ihr kein interessantes Leben gestalten kann, aber ich fühle mich schlecht dabei, wenn ich nicht alles für sie mache. Wie komme ich aus dieser Haltung raus?

      Bin weiblich, 58 Jahre alt, Single, voll berufstätig. Keine Geschwister. Der Rest der Verwandtschaft im Ort macht deutlich: Lass uns in Ruhe, wir haben unser eigenes Lben zu stemmen.
    • Guten Morgen weiblich 58 Jahre alt, Single.

      Vielleicht ist es doch sinnvoll, wenn Sie sich hier im Forum registrieren und wir können Alle sinnvoll über dieses Thema kommunizieren.

      Wer voll berufstätig ist, kann unmöglich zu 100% für einen Pflege und Betreuungsfall im Einsatz sein. Das sollte auch Ihre Mutter akzeptieren können.

      Sie haben schon viele Aufgaben delegiert, vielleicht ist es sinnvoll, diese Hilfen weiter aus zu bauen und mehr Stunden mit Helfern zu buchen.

      Zu lernen auch mal NEIN zu sagen, wäre sicher auch hilfreich, Besorgungen die die Seniorin verlangt auf einen anderen Tag verschieben und nicht immer gleich erledigen. Wenn es Dinge sind, die keinen Sinn ergeben, auch mal ablehnen.

      Es ist immer leicht und schnell gesagt, dieses denke auch an Dich, wenn man sich innerlich selber unter Druck setzt und sich verpflichtet fühlt, alles, was anfällt zu übernehmen und zu erledigen.

      Wer würde all diese Dinge übernehmen, wenn Sie krank würden, zur Kur fahren müssten, an einem dienstlichen Lehrgang teil nehmen müssten?

      Manchmal muss man den Senioren auch direkt sagen, dass sie mit ihrem Verhalten überfordern und zuviel verlangen, dass es so einfach nicht weiter gehen kann, weil jeder Mensch seine Auszeiten braucht und entspannen dürfen sollte.

      Liebe Grüssle aus BW

      Brigitte
      Nimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
      Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr

      Startseite - So bin ich
      Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung


    • Liebe Brigitte,

      vielen Dank. Sie sind ja Altenpflegerin und kennen sich gut aus. Mehr delegieren ist sicher ein guter Weg. Ich habe heute nacht weiter im Internet recherchiert und bin drauf gekommen, dass es vor allem der eigene Anspruch ist, meiner Mutter ein perfektes Leben zu bereiten, der mich so fertig macht. Es ist öfter Thema von Töchtern, dieses endlich mal von der Mutter anerkannt, gemocht, respektiert werden. Und entsetzlich schwierig, zu akzeptieren, dass das nie kommen wird und ein herzliches, liebevolles Verhältnis zwischen mir und der Mutter Illusion bleiben wird. Manchmal sieht es ganz danach aus oder ist für wenige Momente so und man hofft. Aber dann kommt wieder eine spitze, verletzende, respektlose Bemerkung, wie man sie von anderen, höflichen Menschen niemals hören wird. Wenn ich meiner Mutter dann sage, sei doch nicht so unfreundlich zu mir, weiß sie gar nicht, was ich meine. Sie sagt dann, andere würden sie niemals als unfreundlich einstufen und dann müsse ich wohl Unrecht haben.
      Ich kann nicht anders, als anzunehmen, dass es Narzissmus ist bei ihr.

      Christine