Mutter ins Pflegeheim?

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    • Mutter ins Pflegeheim?

      Guten Tag an alle. Gerade habe ich dieses Forum entdeckt und spontan beschlossen, mich anzumelden. Kurz zu meiner Situation: meine 84-jährige Mutter hat seit dem plötzlichen Tod meines Vaters im vergangenen Jahr immer mehr abgebaut. Mein Bruder und ich leben sehr weit von ihr entfernt und standen nun auf einmal vor einer Situation, die uns seit nun fast einem Jahr unendliche Kraft kostet. Zu der Trauer kam auch noch das Thema "Pflege" mit dem wir uns nie vorher beschäftigt haben. Meine Mutter wurde dann mit Stufe 1 ( jetzt Grad 3) eingeordnet und lebte weiter in der eigenen Wohnung mit ambulanter Pflege und Nachbarschaftshilfe. Mein Bruder und ich dachten, wir können in Ruhe überlegen, was langfristig geschehen soll. Letzte Woche kam sie dann zum 3. Mal ins Krankenhaus (Unterzuckerung, neurolog. Klinik und jetzt Durchfälle und Austrocknung), und es war ganz klar, dass sie nicht weiter alleine wohnen kann. Mit Hilfe des Sozialdienstes habe ich nun eine Kurzzeitpflege für sie organisiert, in der sie seit zwei Tagen untergebracht ist. Meine Mutter weiß im Moment gar nicht so richtig, wie ihr geschieht (beginnende Demenz wurde im Mai diagnostiziert), geschweige denn, das sie dort dauerhaft bleiben soll. Sie ist immer noch der Meinung, es geht bald wieder nach Hause. Ich quäle mich nun mit Gedanken, wie es weiter gehen soll und ob ich überhaupt das Richtige tue. Noch bin ich vor Ort, aber irgendwann muss ich auch wieder arbeiten......Über ein paar aufmunternde, aber auch ehrliche Worte würde ich mich freuen und grüße alle hier
      Andrea
    • Hallo Andrea

      Ich bin vielleicht nicht der richtige Ansprechpartner (für aufmunternde Worte und für beschönigende Worte), da ich auch ein Gegner von Pflegeheimen bin.
      Und ich vertrete hier sicher auch nicht diedurchschnittliche Forenmitgliedermeinung.

      Ja, in unserer Gesellschaft wird sich extrem häufig nicht um die Bildung in Sachen Famile, Alter und Tod gekümmert.
      Industrialisierung und Ausbeutung und das Hinterherlaufen hinter dem Mammon und die Übervorteilung durch die Finanzjongleure stehen im Vordergrund.

      Ja, schwierig nun in kurzer Zeit (und sie wird sehr kurz an allen Ecken und Enden), sich was zu überlegen und erstmal den moralischen Kompass überhaupt zu bilden, denn er existiert normalerweise nicht.

      Das Leben ist kurz, und die lieben Personen sind unersetzbar. Muß man selber wissen, wieviel man von sich selber aufgeben will, um die Lieben zu schützen und zu versorgen.

      Ich habe einige Fehler bei der Betreuung/Versorgung in den letzten 6,5 Jahren gemacht, war aber auch überausgelastet (nicht zuletzt wegen den Versagern der Krankenhaus- und Pflegeindustrie).
      Ich würde natürlich einige Fehler nicht mehr machen, vor allem würde ich nächstesmal meine Ma so gut wie gar nicht mehr der Pflegeindustrie anvertrauen (wobei "Vertrauen" in Zusammenhang mit Altenpflege ein Wort ist, was man nicht benutzen sollte).

      Hätte ich sie gleich selber (nach Darmkrebs-OP) in ihrem Zuhause gepflegt, hätte sie mit Sicherheit keinen Schlaganfall bekommen.
      Gut wäre es auch, wenn ich damals besser über Krankheiten bzw. auch typischer gesundheitlicher Probleme bei Senioren informiert gewesen wäre - dann hätte ich abwenden können, was die Mediziner und Pflegeroboter sträflich vernachlässigt hatten.

      Auf jeden Fall würde ich meine Ma immer wieder diesen Geldmachern der Pflegeindustrie entziehen.
      Aber ich habe auch keine Kinder und hatte auch keine rosige Erwerbszukunft (aufgrund eigener Krankheit).


      Im Tierreich hingegen, da werden wohl fast immer die Eltern von dem Nachwuchs im Stich gelassen, die sterben dann einfach.
      Wir sind ja auch Tiere im weitesten Sinne.


      Für mein Herz ist es wichtig, alles mir mögliche getan zu haben, damit meine Ma noch eine halbwegs schöne Zeit (mit mir) verbringen kann (da ist auch ein egoistischer Anteil: ich will auch noch Zeit mit ihr haben).
      Was für ein Leben wäre es danach, wenn meine Ma im Heim (durch Unterversorgung, oder anders) gestorben ist? Ich könnte kein Glück mehr fühlen und könnte mich im Spiegel nicht ertragen.

      Anders wäre es, wenn Pflegeeinrichtungen was positives wären. Aber das gibt es nicht. Das fängt schon bei den absurden Kosten an, und bei der Unterbezahlung des Personals.

      Was für ein Scheiß, daß blöde Entferntleben heutzutage! Familien sind so zerrissen (und Politik und Finanzjongleure wollen es, denn schwache Familien kann man besser ausbeuten und sie sind keine Gefahr für die Politiker- und Beamtemposten).

      Ich würde zu einem schnellen Umzug Deiner Ma in Deine unmittelbare Nähe raten!
      (Umzüge können teuer sein - verlorene Gesundheit in der Pflegeindustrie noch viel teurer.
      Vielleicht einen Profi das gröbste machen lassen.)


      Ich wünsche Dir auf jeden Fall viel Kraft, und daß Du die richtigen Entscheidungen findest!


      snase
    • Guten Morgen Andrea,

      herzlich willkommen im Elternpflegeforum.

      Vielleicht könnt Ihr überdenken ob es räumlich und finanziell möglich ist, eine 24 Kraft ein zu stellen, oder Deine Mutter zu Euch zu holen ( wenn Ihr gut miteinander klar kommt) oder nach einem Heim mit gutem Ruf ( die gibt tatsächlich noch) in Eurer Gegend zu schauen, damit der weitere Kontakt problemloser läuft. Es gibt überall Pflegestützpunkte, meist den Kommunen angegliedert, dort bekommst Du viele Informationen, wie nun am besten um zu gehen ist.

      Da Demenz im Spiel ist, wäre es sinnvoll beim Betreuungsgericht eine Betreuung an zu regen und diese auch zu übernehmen. Vollmachten für Bank und weitere Vertretungen solltest Du Dir von der Mutter geben lassen, nicht dass Du vor der Situation stehst, handlungsunfähig zu sein.

      Gibt es noch weitere Angehörige, die helfen könnten oder mit entscheiden wollen?

      Liebe Grüssle und alles Gute

      Brigitte
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      Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr

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      Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung