Tilda braucht Rat

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  • Eisige Ablehnung

    Hallo zusammen,
    ich bin 45 Jahre alt und habe beruflich mit Senioren zu tun. Soeben hatte ich eine Begegnung wie ich sie noch nie erlebt habe und bin mit meinem Latein am Ende. Dabei geht es gar nicht um mich sondern um einen guten Bekannten der mich um Hilfe gebeten hat.
    Er ist Landwirt und selbständiger Handwerker. Er ist knapp 50 und seine erste und wirklich ernste Beziehung ging jetzt nach 2 Jahren in die Brüche. Seine Freundin wollte sein Chaosleben nicht mehr mitmachen. Der Kuhstall sieht besser aus als sein Zuhause in dem er mit seiner Mutter und dem geistig behinderten älteren Bruder lebt. Es ist absolut alles katastrophal, die Wohnverhältnisse unter aller Sau, die Mutter, der Bruder, mir fehlten die Worte. Es war wie im Film als ich heute dort war.
    Also was ist passiert: Er arbeitet nur, und das schon seit Jahren, und bringt aber nichts zeitnah fertig. Als Handwerker ist er phänomenal aber wer ihn beauftragt braucht Zeit und Nerven. Denn entweder ruft der Stall oder er muss sähen, ernten, Felder beackern. Selbst wenn der Tag 30 Stunden hätte, er würde nicht mal 50% seiner Aufgaben schaffen. Und dann dieses unterirdische Zuhause. Seine Ex hatte jetzt die Schnauze voll und hat ihn verlassen. Sie hatte immer ihre eigene Wohnung. Jetzt flippt er komplett aus. Er rief mich an, er bräuchte für seine Mutter und den Bruder meine Dienste.
    Als ich auf den Hof kam traute ich meinen Augen nicht. Alle Fenster offen, überall Anhänger und Container davor und ein Entrümpelungstrupp am Werk. Er schmeißt alles raus. Zwischen Tränen der völligen Verzweiflung und Überlastung erklärte er mir er würde komplett aufräumen und dann renovieren. Alles ging kaputt weil er ein Leben führt das so keine Frau mitmacht. Die Einsicht kommt etwas spät, aber wenn es zumindest nicht diese Frau zurück bringt dann ist es wenigstens ein Neuanfang.
    Nun zu meiner Aufgabe. Ich ging zur Mutter und dem Bruder um mich vorzustellen. Die beiden saßen vor dem Haus und sahen zu wie ihre Möbel rechts und links an Ihnen vorbei flogen. Die Mutter hat mich nicht mal angesehen. Ich redete mit Engelszunge, das er es doch nur gut meint, das er jetzt viel Arbeit hat, dass sie sich vorübergehend nicht selbst versorgen können und ich das gerne die nächste Zeit übernehmen würde. Dieser alte Drachen schaute mich nicht an und gab mir keine Antwort. Er stand dann bettelnd vor ihr, sie solle mir doch mal zuhören und was sagen. Sie schimpfte los, sie könne alles selber, sie braucht keine Hilfe, sie macht jetzt aber gar nichts mehr weil er ihr "das" antut, und er ist an allem Schuld und er ist kein Guter. Der behinderte Bruder blies ins gleiche Horn, und er stand völlig verzweifelt vor mir.
    Ich war in 20 Jahren Selbständigkeit noch nie so ratlos und brach das Gespräch ab, zog ihn um die Ecke um in Ruhe mit ihm zu sprechen.
    Klar, weil er jetzt was für sich tun muss, sein Leben in den Griff kriegen will greift er zu drastischen Mittel. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen vom Hof ins nächste Dorf zu ziehen oder ein kleines Häuschen neben dem alten zu bauen, als das kleine Universum der Mutter und des Bruders in Container zu schmeißen, ohne zu fragen und ohne sie miteinzubeziehen. Er wütet bis zum umfallen. Ich verstehe beide Seiten, und ich sehe aber auch keine Möglichkeit auf Verständnis bim Bruder und der Mutter. Sie ist einfach zu alt, eingefahren, stur, ablehnend, zornig, verunsichert und enttäuscht. Und ihr geistiges Potential lässt keine "normalen" Denkweise mehr zu. Sie und ihr anderer Sohn sind einfach nicht normal. Sie sind Einsiedler, waren schon Jahrzehnte nicht mehr unten im Dorf, sie haben ihr Leben und das fliegt jetzt gerade in diesen Momenten in Container.
    Ich würde ihm gerne noch ein paar Ratschläge geben, eigentlich braucht er selbst Hilfe um die Trennung zu verarbeiten, um seine Mutter zu besänftigen und doch noch dazu zu bringen Hilfe anzunehmen. Das sie ihm überhaupt mal zuhört und aus ihre strikten Verweigerung raus kommt. Heute will noch die Schwester mit Mann vorbei kommen, vielleicht erreichen die noch was. Ich habe ihm geraten auf sich zu schauen und das durchzuziehen was für ihn richtig ist. Und er soll die beiden "hängen" lassen mit allen Konsequenzen. Sie ist eine erwachsene Frau und besteht darauf alles allein zu können. Er soll sie machen lassen. Bevor sie nicht am Boden ist und um Hilfe bittet wird er die Verkrustungen nicht durchbrechen können. Und wenn alles aus dem Ruder gerät und sie richtig krank wird soll er sie ins Krankenhaus packen, ihn in Kurzzeitpflege geben, durchatmen, zur Ruhe kommen und sein neues Leben in Angriff nehmen mit einem schönen Zuhause, einem ordentlichen Hof und seinem 2. Standbein als Handwerker.
    Ich habe ein bisschen Angst das er durchdreht. Vielleicht kennt sich hier jemand mit solchen Extremen aus und weiß auch noch Rat in Bezug auf die Landwirtschaft.
    Danke fürs lesen und Ratschläge. Tilda
  • Guten Abend Tilda und herzlich willkommen im Elternpflegeforum.

    Harter Tobak--alte, fest gefahrene Strukturen zu durchbrechen- auch wenn sie so aussehen, wie Du sie angetroffen hast, ist ein Kraftakt und auf Einsicht von Mutter und Sohn kannst Du nicht hoffen.

    Wenn Du gute Nerven hast, dann gehe öfters hin, versuche einfach weiterhin einfach da zu sein, vielleicht mit Brötchen oder Süppchen oder was auch immer.

    Eigentlich brauchen Alle Drei psychologische Hilfe oder Menschen an ihrer Seite, die das, was dort abgeht einfach aushalten und immer wieder die Hand hin halten.

    Entmüllen ist schon eine gute Option, aber die Drei packen es auf keinen Fall ohne Hilfe, die sich einfach nicht weg beißen lässt.

    Ich hoffe Du hälst durch und findest vielleicht noch ein paar gute Seelen die mit helfen und mit aus halten.

    Traurige Grüßle

    Brigitte
    Nimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr

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    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung