Tinah pflegt ihre 98jährige Mutter

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  • Tinah und Alex pflegen die demenzkranke 98jährige Mutter

    Hallo, liebe Forumsmitglieder,

    ich heiße Martina, bin 62 Jahre alt und seit 32 Jahren glücklich verheiratet. Unser Sohn ist 30, lebt aber seit 11 Jahren nicht mehr bei uns, erst weg zum Studium, nun berufs- und Verlobte-bedingt ca. 250km von uns entfernt, wir besuchen ihn (oder er uns) aber so oft es geht und haben ein tolles Verhältnis zu ihm und seiner Liebsten.
    Seit nunmehr fast 8 Jahren pflegen mein Mann (72) und ich meine jetzt 98jährige mittlerweile sehr demente Schwiegermutter.

    Sie wohnt seit einem Herzinfarkt in 2007 bei uns im Haus im Gästezimmer mit eigenem kleinen Bad. Seit der Zeit hat sie einen Herzschrittmacher.
    Bis vor 2 Jahren war alles noch recht gut, es war zwar manchmal etwas nervig, dauernd Mutti in der Wohnung zu haben und sich kümmern zu müssen, aber es lief und sie erledigte ihre alltäglichen Pflegedinge bis auf ein paar Hilfestellungen weitgehend selber.
    Im Laufe der letzten 2 Jahren hat sie aber immer mehr abgebaut, wurde immer desorientierter, interesselose, schwächer und antriebsloser - mit anderen Worten: die Demenz entwickelte sich zunehmend. Seit Okt. 2012 hat sie Pflegestufe 1.

    Vor ungefähr 3 Monaten gab es irgendwie einen "Schub", anders kann ich es nicht sagen: seitdem will sie nur noch schlafen, will nicht mehr mit dem Treppenlift nach unten fahren, will sich nicht anziehen lassen, wäscht sich nicht mehr, putzt keine Zähne (auch nicht mit Hilfestellung), liest nicht mehr, will nicht fernsehen oder mal rausfahren mit uns - und sie will auch nichts "Richtiges" essen oder trinken, sie hätte keinen Hunger oder Durst.
    Wir füttern Sie nun mit Fresubin und angereicherte Suppen (das nimmt sie auch an) und lassen sie schlafen, wenn sie schlafen will.... Ist das in Ordnung? Oder sollten wir sie irgendwie "wach halten". Sie ist nicht agressiv oder böse, man kann sich mit ihr auch kurz unterhalten, bis sie meint, wieder schlafen zu wollen.
    Unser weiteres, mittlerweile recht großes Problem ist nun: seit ca. 4 Wochen wurde sie mehr und mehr inkontinent, so dass wir nun regelrecht alle 4-6 Stunden Windeln wechseln (Tena Pants) müssen, bei größerem "Geschäft" natürlich so schnell es geht. Das ist manchmal auch unangenehm (für beide Seiten) und wir sind unsicher, wie wir das alles handhaben sollen, welche Produkte am Besten sind, wie es mit der Sauber- und Gesunderhaltung der Haut aussieht etc. Wie machen wir es richtig?

    Ich hoffe, ihr habt ein paar praktische Ratschläge für uns, denn so langsam habe ich das Gefühl, dass uns die Sache über den Kopf wächst.
    Was ich hier bis jetzt so gelesen habe, hörte sich alles so aufmunternd und freundlich an, dass ich froh bin, hierher gefunden zu haben.

    Liebe Grüße sendet Euch
    Tinah


  • Guten Morgen Tinah,

    herzlich willkommen im Elternpflegeforum.

    Hättet Ihr die Möglichkeit zu Eurer Entlastung einen Pflegedienst für die Grundpflege hinzu zu ziehen? Vielleicht könnte Euch auch von einem PD noch Einiges erklärt werden in Sachen Pflege.

    Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen mit hirnorganischen Veränderungen sich so verhalten und nur noch schlafen wollen. Ihr könntet mit einem Neurologen ein Gespräch führen, ob es vielleicht sinnvoll wäre, den Antrieb medikamentös etwas an zu heben.


    Liebe Grüssle

    Brigitte
    Nimm die Dinge an, die Du nicht ändern kannst
    Je tiefer man die Schöpfung erkennt, umso größere Wunder entdeckt man in ihr

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    Verheiratet, Mutter von drei erwachsenen Kindern- eine Tochter mit Down-Syndrom. ein Sohn mit schwerer Mehrfachbehinderung


  • Hallo Tina,

    herzlich willkommen hier im Forum.

    Danke für Deine ausführliche Vorstellung.
    98 Jahre - wow.

    Zunächst einmal zum Schlafbedürfnis. Meine Schwiegermama mit Demenz schläft 12 bis 13 Stunden am Stück. Wenn sie dürfte, vermutlich noch länger. Ich lasse sie tagsüber nicht schlafen, da wir sonst das Problem haben, dass sie nachts immer wieder ruft. Das hat sich bei uns so ganz gut eingespielt.
    Solange Deine Schwiegermutter Euch nachts schlafen lässt, sehe ich kein Problem darin, dass sie ihrem Schlafbedürfnis auch tagsüber nachkommt.
    Ich könnte mir vorstellen, dass es bei Demenzkranken ist, wie bei Babies. Um die Reize, die auf sie einströmen verarbeiten zu können, müssen sie immer wieder mal dem Gehirn eine Auszeit - sprich Schlaf gönnen. Nur, dass die Entwicklung leider umgekehrt verläuft, wie bei den Babies.

    Mit der Inkontinenz ist der Pflegebedarf erheblich gestiegen. Ich würde an Eurer Stelle einen Höherstufungsantrag stellen und evtl. einen Pflegedienst mit ins Boot holen.
    Es reicht ja, wenn der 1x täglich kommt und Deine Schwiegermama wäscht, die Zähne putzt und Euch zeigt, was Ihr wie machen könnt.

    Habt Ihr Euch die Inkontinenzprodukte vom Arzt verschreiben lassen?
    Wenn nicht, macht das mal. Mit dem Rezept geht Ihr dann zu einer dafür zugelassenen Apotheke - nicht jede Apotheke darf das - und lasst Euch beraten. Unsere Apotheke hat mir anfangs viele unterschiedliche Proben mitgegeben, bis ich ein Produkt gefunden habe, das für unsere Bedürfnisse optimal passt.
    In Drogeriemärkten habe ich bisher nichts vergleichbares gefunden, auch wenn ich immer wieder mal verschiedenes ausprobiere, weil die Einlagen dort einfach viel billiger sind.

    Vielleicht solltet Ihr Euch auch langsam mit dem Gedanken anfreunden, dass dieses viel Schlafen und Körperfunktionen nicht mehr kontrollieren können, nur bedingt durch die Demenz kommt. Diese Dinge sind auch teil des beginnenden Sterbeprozesses. Hier gilt es dann abzuwägen, wie viel Pflege ist noch unbedingt notwendig und ab wann ist Essen müssen, wach halten, etc. eine zusätzliche Belastung, die nicht sein müsste. Das Bedürfnis nach Essen und trinken sinkt tatsächlich. Schwer ist es, das zu akzeptieren, ohne Schuldgefühle zu bekommen.

    Ganz viel Kraft und
    alles Liebe
    Elisabeth
    Leben ist das, was wir daraus machen.
    Henry Miller